FERRYTALES

– Andi`s View –

Endlich ging es wieder los!

Zurück auf die Straße….

Dennoch waren wir etwas wehmütig als wir Tiflis verließen. Eine Großstadt, welche sogar uns als Naturliebhaber, begeistert hatte.

Wenn ich Tiflis mit nur einem Wort beschreiben müsste dann wäre es:

„#charmantchaotischkuenstlerischmoderntraditionell“

Wir hatten hier auf jeden Fall eine super Zeit, haben nette Bekanntschaften geschlossen und waren sicherlich nicht das letzte Mal hier.

Um über die Grenze nach Aserbaidschan zu gelangen hatten wir zwei Möglichkeiten. Entweder man überquert die Grenze südlich von Tiflis bei Tekali oder man nimmt den Grenzübergang bei Matsimi, südöstlich von Tiflis. Da wir schon von mehreren Leuten gehört hatten, dass der Grenzübergang bei Tekali sehr unorganisiert sei, Lkw-Fahrer diesen bevorzugen und somit sehr lange Wartezeiten entstehen, entschieden wir uns dazu 80km Umweg in Kauf zu nehmen und steuerten Matsimi an.

Die Straßen waren wie gewohnt und so hatten wir nach etwas über 5 Stunden die etwa 180km bewältigt. Wir hatten endlich die aserbaidschanische Flagge vor Augen. Noch war sie aber auf der anderen Seite des Zauns. Erst einmal mussten wir Georgien verlassen.

Vor uns wartete nur ein Auto, dessen Kofferraum bereits durchsucht wurde.

Nun winkte uns der georgische Grenzbeamte herbei und wir fuhren bis an die Schranke heran. Links neben uns saß in einem kleinen Häuschen ein weiterer Grenzbeamte. Er verlangte nach unseren Fahrzeugpapieren und den Pässen. In der Zwischenzeit verabschiedete sich Sabi von mir, nahm ihren Ausweis wieder an sich, stieg aus und folgte den Schildern „ Passenger Passport Control“.

Nun waren Baku, Geronimo und ich auf uns alleine gestellt 😉

Nach weiteren 5 Minuten Smalltalk und ein paar prüfenden Blicken auf die Dokumente wollte der zweite Beamte noch einen Blick in Geronimo werfen.

Also aussteigen, Schiebetür und Hecktüren öffnen und schon war die Konzentration des Beamten auf das Wesentliche passé…

Er: „wolf?“

Ich so: „wolfdog!“

Er: „Please close door!!!“

Ich so: „😊“

Und schon winkte er uns weiter.

Wir rollten also auf die aserbaidschanische Grenze zu.

Nach wenigen hundert Meter erblickte ich einen überdachten Bereich. Es wimmelte dort von Soldaten, welche eifrig und von allen Seiten Autos und Minibusse untersuchten. Rechts davon eine wartende Menge an Menschen mit ihren Papieren in den Händen.

Einer der Soldaten winkte mich herbei.

Aussteigen, Schiebtür und Hecktüren öffnen. Eben das selbe Spiel wie immer 😉

Plötzlich tummelte sich eine Gruppe von Soldaten vor dem Bus. Ihr Interesse war geweckt.

„Canavan?“ fragten sie und lachten dabei.

Ich nickte einfach, denn ich war mir ziemlich sicher, dass sie wissen wollten ob das hier ein Wolf sei.

Plötzlich packte mich einer der Soldaten am Arm und zerrte mich ein paar Meter weiter um die Ecke.

„Come, come!“ rief er und zeigte mir stolz seinen Drogenspürhund.

Eine Schäferhündin, welche sich sichtlich freute uns zu sehen.

„Touch her! Touch her!“ forderte er mich auf.

Ich näherte mich ihr mit gewissem Respekt, merkte aber schnell, dass man sie ohne Bedenken streicheln konnte. Ich kniete mich hin und Laila, so scheinbar ihr Name, welchen er immer wieder rief, sparte nicht an Hundeküssen.

Der Soldat zeigte mir noch ein paar Kommandos, welcher er Laila beigebracht hatte, bevor ich mich wieder zu Geronimo begab und mich den wesentlichen Dingen widmete.

Geronimo über die Grenze bringen…das war das eigentliche Ziel.

Als ich wieder um die Ecke kam, sah ich die restlichen Soldaten staunend vor Geronimo stehen.

„Like home!“ riefen sie mir lächelnd entgegen.

Keine Ahnung wie viele es zu Beginn waren, aber es wirkte als würden es immer mehr werden.

Die Autos um uns herum wurden scheinbar schon seit einiger Zeit nicht mehr kontrolliert. Das musste warten. Die ganze Aufmerksamkeit galt Baku und Geronimo. Ob das gut oder schlecht ist wird sich bei den kommenden Grenzübergängen sicherlich noch zeigen. Aber für den Moment schienen wir eine ganz gute Abwechslung für die Grenzbeamten und ihren Alltag zu sein.

Trotz ihrer Neugier hatten sie es nicht gewagt ohne meine Erlaubnis auch nur einen Fuß in Geronimo zu setzen. Ob der Grund dafür der Respekt vom Besitz des Anderen war oder ob sie Baku daran hinderte ist noch unklar, wobei letzteres sicherlich wahrscheinlicher ist 😉

Dennoch zeigen, bislang jedenfalls, alle Grenzbeamten auch ihren Respekt gegenüber unserem Zuhause. Schön brav ziehen sie alle ihre Schuhe aus und betreten dann erst den Innenraum. Das mögen und schätzen wir sehr!

Dann ging es los…

„Please open this!“

„What is this?“

„What´s in here?“

Nach ein paar prüfenden Blicken im Inneren und unter dem Bus ging es weiter mit dem bürokratischen Teil. Ich wurde an das „Fenster-A“ geschickt. Ich verschloss Geronimo, ging keine 50 Meter zum angrenzenden Gebäude hinüber und „gliederte“ mich in die Menge der wartenden Menschen ein.

„Mister, mister! Come, come!“…schon war ich dran.

Es schien hier kein System zu geben.

Keine Reihenfolge geschweige denn eine Warteschlange.

Nachdem ein Foto von mir gemacht und der Ausweis kontrolliert wurde, ging es weiter an den benachbarten Schalter.

„Fenster-B“. Nachdem hier Geronimos Dokumente geprüft wurden, durfte ich 20 US-$ für eine 30 tägige Kfz-Versicherung zahlen. Denn unsere deutsche Versicherung haftet in diesen Gebieten schon lange nicht mehr. Versicherungsschutz ist aber dennoch Pflicht.

Bevor ich dann weiterfahren durfte, musste ich an „Fenster-C“ nochmals 20 US-$ abdrücken. Dieses Mal waren es Steuern.

Wir hatten es geschafft.

Noch ein prüfender Blick, ob alle Dokumente beisammen sind, per Handschlag von den Beamten verabschieden, welche immer noch vor Geronimo und Baku standen, Türen zu, Motor an und los ging es.

Ein paar hundert Meter weiter, außerhalb des Geländes, stand Sabi am Straßenrand. Sie hatte die Grenze scheinbar schon vor einiger Zeit erfolgreich passiert.

Noch ein kurzer Passport-Check kurz vor der letzten Schranke des Geländes, die Selbige öffnete sich und wir hatten es endgültig hinter uns gebracht.

Nach nur 1,5 Stunden waren wir im Aserbaidschan.

Der Tag war lang und wir waren geschafft. Deshalb suchten wir uns zeitig etwas abseits der Straße in einem ausgetrockneten Flussbett eine Übernachtungsmöglichkeit.

Am darauffolgenden Tag machten wir uns daran die 350 km bis zum Hafen von Baku zu bewältigen. Die aserbaidschanischen Straßen unterschieden sich nicht großartig von den georgischen. Mal gut, mal schlecht. Wir brauchten 8 Stunden bis Alat, welches zirka 70km südlich von Baku liegt und wo sich der Frachthafen der Stadt befindet.

Wir kamen an die Hafeneinfahrt. Ich stieg aus, denn scheinbar musste man sich mit Hilfe des Ausweises registrieren. Während ein Mitarbeiter des Hafenpersonals das erledigte, bekam ich mit wie drei Motorradfahrer völlig außer sich waren, fluchten und von der Security beruhigt werden mussten. Wie sich herausstellte handelte es sich ebenfalls um Overlander, welche seit nun mehr 15 Stunden im Hafen von Alat festhingen. Sie kamen mit der Fähre von Aktau. Von dort, wo wir hin wollten. Und nun kamen sie auf Grund eines fehlenden Dokuments nun nicht mehr vom Hafengelände. Welches das war, konnte keiner der Drei beantworten. Das Personal wusste es scheinbar selbst nicht genau.

Nun waren wir registriert und hatten schon einmal eine ungefähre Ahnung davon, was uns erwarten würde.

In der Ferne erblickten wir eine Art Gebäude mit der Aufschrift „Checkpoint-1“. Dort sollte das Fähr-Büro zu finden sein, so das Hafenpersonal am Eingang.

Wir wünschten den Motoradfahren noch viel Erfolg bei den „Verhandlungen“ bevor wir dann die Hafeneinfahrt passierten.

Vor uns erstreckte sich ein rießiges Areal bestehend aus parkenden Lkws, Zugwagons und Schiffscontainern. Wie man sich so einen klassischen Frachthafen eben vorstellt.

Am „Checkpoint-1“ angekommen fanden wir 5 Container vor, welche etwas seitlich des Tors platziert waren. Das Ganze wirkte wie eine Kleinstadt aus Schiffscontainern. In einem der Container fand sich ein Bistro, im anderen ein Supermarkt, im dritten dann eine Bank, im vierten der „Sanitärbereich“ und im letzten, ganz im hintersten Eck, befand sich das Ticketbüro.

Es herrschte Chaos. Etliche 4×4 Fahrzeuge, Motorräder und Backpacker tummelten sich zwischen den Containern. Mitten unter Ihnen 4 Schweizer, welche uns freundlicherweise zeigten wo das Ticketoffice war. Gleichzeitig schilderten sie uns aber auch ihr Leid. Fast 2 Wochen waren schon vergangen. 14 Tage vom erreichen des kasachischen Hafens bis jetzt. Es gäbe keine Organisation, keine Informationen über die Wetterlage, das Boarding, die Kabinenvergabe oder Informationen über irgendetwas. Das totale Chaos also…

Nun, an dieser Stelle war uns klar, worauf wir uns hier einlassen. Wir hatten schon viel gehört, dachten aber es seien Ausnahmen. Nun schien es, als wäre es die Regel.

Wir beschlossen uns von den Erzählungen aber nicht allzu sehr beindrucken zu lassen. Wir versuchten uns Überblick zu verschaffen und uns ein Ticket nach Aktau zu sichern.

Nach etwa 2 Stunden beruhigte sich die Situation in der „Containerstadt“, die letzten Überbliebenen der vorherigen Fähre durften das Gelände verlassen und wir hatten ein Ticket für die nächste Überfahrt ergattert.

„Maybe tomorrow evening“…sollte das Schiff kommen.

Klar gibt es hier keine Fahrpläne. Neben schlechter Organisation spielt eben auch das Wetter eine entscheidende Rolle, wie sich noch zeigen sollte.

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir am Hafen und warteten bis das Schiff eintraf. Mit von der Partie waren mittlerweile Vanessa und Marc, ein luxemburgisches Paar in einem T4-Bully, welche sich zu uns gesellt hatten.

Der Tag verstrich wie im Flug. Es war 21 Uhr als jemand auf unsere Motorhaube klopfte.

„Go, go…go to Aktau!“

Wir sollten alle zum „Checkpoint-2“, auf die gegenüberliegende Seite des Areals, fahren.

Es schien loszugehen. Gemeinsam mit dem T4 und einer Horde von Motorradfahrer, welche mittlerweile eingetroffen waren, fuhren wir auf die andere Seite. Dort angekommen wusste keiner was zu tun ist. Bis es nach 20 Minuten neue Erkenntnisse gab.

Wir sollten uns nun doch an „Checkpoint-1“ zusammenfinden. Also alle samt wieder auf die andere Seite des Hafens. Aber auch hier wusste keiner was zu tun ist. Auch das Hafenpersonal hatte keinen blassen Schimmer.

Also warteten wir…

Nach etwa 1 Stunde wurden Marc und ich ins Fährbüro gerufen. Wir ahnten schlimmes.

Und in der Tat. Es war nicht wirklich erfreulich.

Auf Grund bewusster Überbuchung standen wir nun nicht mehr auf der Passagierliste.

Wir sollten also auf das nächste Schiff warten.

Im Ernst jetzt?!

Marc und ich reagierten mit Unverständnis. Lautstark diskutierten wir mit dem Mitarbeiter des Fährbüros. So laut, dass Vanessa und Sabi dazu kamen um nach dem Rechten zu sehen. Zu viert redeten wir auf den Mann ein.

Wir wollten auf das Schiff!

Nach 20 Minuten sahen wir aber alle ein, dass der Mitarbeiter hinter dem Schreibtisch auch nicht wirklich etwas für diese Situation kann. Wir hatten Mitleid. Wir schalteten ein paar Gänge zurück und nahmen die Situation an, wie sie war:

Nicht die „Professor Gul“ war nun unser Schiff, welches uns nach Aktau bringen sollte, sondern die „Merkury-1“.

Warum sich über Dinge aufregen, welche man nicht beeinflussen kann!? (irgendwie eine neue Erkenntnis)

Am Ende warteten wir 5 Tage, bis die „Merkury-1“ im Hafen von Alat einfuhr. Auf Grund des starken Windes war das kaspische Meer nicht früher passierbar. Die „Professor Gul“ lag dabei die ganze Zeit vor Anker. Sie hatte Schutz in einer Bucht nahe Baku gesucht. Am Ende des Tages war es also gar nicht so schlecht wie es gekommen ist. So hatten wir Zeit Baku zu besichtigen und verbrachten eine tolle Zeit mit fantastischen Leuten (von Tag zu Tag wurde unsere Gruppe etwas größer 😉).

Am Mittwoch gegen 16 Uhr war es dann soweit. Wir fuhren auf die „Merkury-1“.

Als letztes wurde Geronimo in den Bauch des Schiffes verladen, bevor wir gegen 0 Uhr dann auch endlich den Hafen von Alat verließen.

Die Überfahrt verlief wider Erwarten ohne Probleme, unsere Kabine und die Verpflegung waren in Ordnung und wir erreichten nach zirka 22 Stunden den Hafen von Aktau.

Wir waren also da. Angekommen in Kasachstan. Auf der anderen Seite des kaspischen Meers…

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal bei unserer „Ferry-Crew“ bedanken!

Vanessa, Marc, Mitch, Nick und Mimi…ohne euch hätte das Ganze sicherlich einen faden Beigeschmack gehabt. Aber so war es eine super Zeit mit fantastischen Menschen.

„Save journey guys!“

Die Crew der Merkury-1
2 Kommentare
  1. Nicole says:

    Ihr habt tatsächlich Baku nach Baku gebracht 🙂
    Klasse!
    Weiterhin tolles Reisen, atemberaubende Eindrücke und alles Gute.
    Ich bin schon auf Eure nächsten Beiträge gespannt.
    Liebe Grüße. Nicole

    Antworten

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