AUCH DAS IST REISEN

– Sabi`s View –

3 Tage hatten wir für das Sightseeing mit Robert geplant.
3 Tage, in welchen wir gemeinsam die Highlights der Stadt erkundeten, die georgische Küche erneut einigen Test unterzogen und uns einfach im Getümmel der Großstadt treiben ließen.

Aber wie das so ist, geht auch die schönste Zeit vorbei und der Tag kam, an welchem Robert wieder die Heimreise antreten musste.

Nachdem wir ihn am Flughafen abgesetzt hatten, war es soweit.
Wir machten uns auf in unser ‚neues‘ zu Hause.
Naja, in unser neues, sehr vorübergehendes, zu Hause.

Wir hatten nämlich beschlossen uns für unsere restliche Zeit in Tiflis ein Apartment zu mieten.
Die Entscheidung fiel ziemlich spontan.
Zwei Tage zuvor.
Auf Grund der unglaublichen Hitze, welche die vergangenen Tage (und Nächte) in der Stadt herrschte, fiel sie aber relativ leicht.
Ein klimatisiertes Zimmer musste her.
Aber nicht wegen uns ( naja vielleicht schon auch ein bisschen 😀 ).
Da wir in den kommenden Tagen einiges vor hatten und wir dafür Baku teilweise ‚zurücklassen‘ mussten, sahen wir keine andere Möglichkeit.
Immerhin konnten wir ihn nicht bei 40 Grad stundenlang (geschweige denn überhaupt) im Bus lassen.

Das Einzimmer-Apartment lag im nordöstlichen Teil der Stadt.
Im 12 Stock eines Hochhauses.
Mikrowelle, Fernseher, Waschmaschine, Dusche, warm Wasser (nicht gerade nötig bei 40 Grad :D), Wlan und natürlich eine Klimaanlage.
Wir hatte auf einmal all das ‚wieder‘, ohne das wir die letzen 5 1/2 Monate so gut ausgekommen waren.
Es war seltsam.
Aber wir genossen es.
Die ersten paar Tage jedenfalls.
Dann wurde der Drang wieder voranzukommen, wieder zu fahren, in der Natur zu schlafen und aus dem Bus direkt ins Gras ‚fallen‘ zu können, immer größer.

Aber… wir waren ja nicht ohne Grund hier.
Ersatzteile für Geronimo mussten besorgt werden, da er unter den georgischen Straßen ganz schön gelitten hatte.
Ein paar Termine waren geplant und…
wir mussten uns über die weitere Reise Gedanken machen!
Von hier aus ging es nämlich nur noch mit Visa weiter… oder zurück.
Und zurück war/ist keine Option.
Noch nicht, jedenfalls….

Die Ersatzteile waren auf den bekannten Tifliser Märkten recht schnell besorgt.
Geronimo wurde wieder auf Vordermann gebracht.
Und auch die Termine bei dem Tätowierer, welche wir ein paar Wochen zuvor bereits von der Türkei aus gemacht hatten, liefen glatt über die Bühne.
Wir hatten nämlich beschlossen, da wir in den vergangenen Monaten vergeblich nach tollen Souvenirs bzw. Erinnerungsstücken für diese Reise gesucht hatten, es so zu machen. (auch weil die letzten Male schon wieder viel zu lange her waren 😀 )
So lies sich Andi all die Flaggen der Länder die wir bis jetzt passiert hatten auf die Brust stechen und ich mir eine Weltkarte, auf welcher meine bereits bereisten Länder bunt ausgemalten sind, auf den Rücken.

Nein…
Natürlich nicht! 😀
Es sollten zwar irgendwie eine Erinnerung an die Reise werden, allerdings haben unsere Motive nicht wirklich mit ihr zu tun. 😉

Nach all diesen ‚Vergnügungen‘ war nun also die weitere Reiseplanung dran.
Da wir auf unserem Weg durch Georgien, von anderen Deutschen, gehört hatten es wäre gerade unglaublich einfach in Tiflis ein Touristenvisum für Russland zu bekommen, dachten wir, wir versuchen es mal.
Auch wenn Russland eigentlich nie auf dem ‚Plan‘ stand…

Die Adresse der Russischen Botschaft war schnell gefunden und auch die, für die Beantragung des Visum, nötigen Unterlagen recht schnell organisiert.

Reisepass
Kopie des Reisepasses
Passfoto
Kopie der Reisekrankenversicherung
ausgefüllter Visumantrag
Einladungsschreiben

Check!

Am Tag nachdem wir alles zusammen hatten machten wir uns auf den Weg.
Ziemlich früh.
Es hieß nämlich es könne dort manchmal ziemlich zugehen.

Wir waren um 8 Uhr an der Botschaft, eine Stunde also vor der Öffnung.
Die Warteschlange war allerdings schon riesig.
Ca. 100 Leute drängten sich bereits um den Eingang.
Na super!
Trotzdem, kein Problem, dachten wir.
Immerhin hatten wir in zahlreichen Foren gelesen man solle als Ausländer einfach zur Security hingehen, ihnen sagen man wäre für ein Visum hier, den Pass herzeigen und sie würden einen vorbeilassen.
Ohne anzustehen.

Als sie um 9 Uhr öffneten wollten wir also genau dies versuchen.
Allerdings war es absolut unmöglich, zur Security vorzudringen oder mit ihnen zu sprechen.
All die Russen und Georgier drängten zum Eingang und schrieen Richtung Security, denn sie wollten reingelassen werden.

Eine richtige Warteschlange, wie man es von unseren Behörden kennt, gab es nicht.
Nur Hunderte von Leuten, die sich gegenseitig halb zerquetschten und miteinander stritten und diskutierten.
Ohne auf alte Leuten oder Kinder/Babys zu achten.
Ohne Rücksicht auf Verluste.

Das System der Security Leute hatten wir bis zum Schluss nicht ganz verstanden.
Was wir allerdings verstanden hatten war, dass nicht der Reihe nach reingelassen wurde.
Diejenigen, die den seltsamen Männern auf der gegenüberliegenden Straßenseite Geld zusteckten, kamen innerhalb einiger Minuten rein.
Der Rest passierte wohl eher nach Zufallsprinzip und Sympathie.

Wir brauchten 3 Stunden nach Öffnung der Botschaft um rein zu kommen.
Also eigentlich 4.

Drinnen angekommen zogen wir eine Nummer und setzten uns in den Warteraum.
Wir hatten es geschafft!
Dachten wir jedenfalls!

Wir saßen eine gute Stunde dort.
Der Raum leerte sich.
Mit all den Leuten, die vor uns dort waren, aber auch mit denjenigen, die nach uns kamen…
Der Grund hierfür war, dass nur ein Mitarbeiter die Visa für Ausländer bearbeitete.

Es war kurz nach eins.
Der Typ ,welcher sich um diese Visa kümmern sollte, kam hinter seinem Fenster heraus und schlenderte Richtung Ausgang, als ihn ein anderer Mitarbeiter aufhielt und auf uns zeigte.

Er verdrehte genervt die Augen.
Und schaute noch genervter drein, als er herausfand er müsse jetzt noch zwei Visa bearbeiten.

Er wollte unsere Pässe haben.
Dann fragte er, welche Art von Visum wir haben wollten.
Ein Touristenvisum.
Er verlangte die ‚Einladungsschreiben‘.
Ein kurzer Blick drauf und er meinte die wären nicht gültig, da es sich nur um Farbkopien und nicht um die Originale handelt.
Wir könnten die Visa so nicht beantragen.

Ok, kein Problem dachten wir, und sagten ihm, dann wollen wir eben ein Transitvisum*.
Denn wir hatten, für den Notfall, auch alle Dokumente hierfür dabei.
Und ein Einladungsschreiben wird nicht benötigt.

*ein Visum, mit welchen es einem nur erlaubt ist innerhalb weniger Tage schnell durch ein Land ‚durchzufahren‘.

Das würden wir aber maximal für 10 Tage bekommen, erzählte er uns.
Kein Problem, war unsere Antwort.
Welches definitiv nicht das war, was er hören wollte.

Er fragte uns nach unserem Visum für das Anschlussland.
Wir sagten ihm wir hätten keines, da wir für alle, an Russland angrenzenden Länder, mit unserem deutschen Pass kein Visum bräuchten.

Er überlegte kurz.
Man merkte, wie es in seinem Kopf ratterte.
Wir hatten Recht und nun suchte er nach einer neuen Frage…
Plötzlich wollte er die Reservierungsbestätigung eines Hotels, welches nicht in Russland liegt, von uns. Also Nachweis sozusagen, dass wir auch wirklich wieder aus Russland ausreisen wollten.
Wir meinten wir hätten keine, da wir mit dem Camper unterwegs sind.

So könnten wir uns nicht um ein Visum bewerben, teilte er uns mit, zeigte auf die Uhr und sagte zu uns, dass sie jetzt sowieso schließen würden, weil es Mittagszeit wäre.
Wir können später wiederkommen (und erneut draußen warten), aber es sei nicht sicher, wann er heute wieder kommen würde, weil er einen Zahnarzt Termin hätte.
Und überhaupt würde es eh keinen Sinn machen zu warten, denn wir würden kein Visum bekommen.

„What a dickhead!“

Er war also offensichtlich absolut nicht in der Stimmung, an diesem Tag irgendetwas zu tun. (auch der Mann, der vor uns dran war, wurde wieder weitergeschickt)
Egal was wir sagten, er fand etwas Anderes, was angeblich an unseren Dokumenten nicht richtig war!

Na super!
Die erste Visa-Beantragung auf dieser Reise endete also schon in einer Katastrophe!
Naja, was heisst die erste Visa-Beantragung!
Zur eigentlichen Beantragung sind wir ja nicht einmal gekommen 😀

Aber… wir sahen es positiv.
Immerhin hatten wir uns so wenigstens die Bearbeitungsgebühr gespart! 😉
(und auch die Gebühr für das Einladungsschreiben welches wir über eine Agentur bekommen hatten, wurde uns später zurückerstattet. Dass ihr Schreiben als Kopie nicht gültig wäre, hatten sie zuvor nie gehört…)

Als wir die Botschaft wieder verließen waren wir uns einig: Bei dem Typen würden wir auch an einem anderen Tag definitiv kein Visum erhalten.
So machten wir uns auf den Weg zur Hauptstraße und warteten auf ein Taxi.

Als Andi mit einem Taxifahrer über den Preis für unsere Fahrt diskutierte, sah ich wie ein kleiner, dicklicher Mann mit einer orangenen Brille auf mich zukam.

Es war der Typ aus der Botschaft.
Ich versuchte ihn zu ignorieren und schaute in mein Handy, da ich ABSOLUT keinen Bock hatte auch nur noch ein Wort mit ihm zu wechseln.

Trotzdem kam er her und sprach mich an.
Warum denn alle Deutschen mit dem Auto in der Weltgeschichte rumfahren müssten, fragte er.
Unmotiviert erneut ein Gespräch mit diesem, Entschuldigung, Spasten, anzufangen warf ich ihm ein, ‚Wir fahren halt gerne Auto’ entgegen.
Das würde er nicht verstehen, meinte er dann und sagte, ich solle ihm nur glauben, wir hätten die falschen Unterlagen und überhaupt, würden wir kein Visum für Russland bekommen.
Dann überquerte er die Straße…

Da hat es doch tatsächlich EIN kleiner Mann geschafft uns innerhalb kürzester Zeit Russland und seine Bewohner unsympathisch zu machen!
Nein, keine Angst, wir haben trotz alledem jetzt keine Vorurteile (auch wenn solche Gedanken nach so einer Aktion schon ab und zu im Kopf ‚aufploppen‘ 😀 )

Da wir zuvor wussten, Deutsche haben es allgemein bei den Russen mit dem Visum schwer, sahen wir all dies aber nicht als ‚Niederlage‘.
Eher als: Ok, her mit Plan B.

Unser Plan B hieß Aserbaidschan und war ursprünglich eigentlich Plan A.
Aber auch hierfür benötigten wir ein Visum.
Allerdings konnte das, ganz einfach, als E-Visum im Internet beantragt werden.
Innerhalb von 3 Werktagen bekommt man Bescheid, hieß es.
Mit ein paar unguten Hintergedanken aufgrund der ‚Russland-Erfahrung‘ warteten wir also…

Nach 24 Stunden kam bereits die Bestätigung.
Wir hatten es in der ‚Tasche‘.
Immerhin 😉

Nun gab es nur noch eine Sache zu erledigen: Ein Gesundheitszeugnis für Baku besorgen.
Das brauchen wir nämlich für den Grenzübertritt.
Und auch das, wer hätte es erwartet, war ziemlich schnell (gegen ein paar Gebühren natürlich) erledigt.
Bescheinigung vom Tierarzt geholt (ohne dass er Baku sehen wollte, geschweige denn selbst überhaupt anwesend war) und damit das Zeugnis beim georgischen Landwirtschaftsministerium beantragt.
Wieder 24 Stunden später war auch dies fertig.

Endlich!
Das Ganze hat uns nun fast 3 Wochen gekostet.
3 Wochen voll mit Behördengängen, Papierkram und Wartezeit…
…voll mit gefühlstechnischen Berg-und Talfahrten.

Aber nun hatten wir alle erforderlichen Dokumente zusammen.
Wir waren bereit für ein neues Land und die nächsten Abenteuer.

Was kann da schon schief gehen…

Aserbaidschan wir kommen!

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