EINE WOCHE VOLLER ABENTEUER

– Sabi`s View –

28.02.18. 4.30 Morgens. Es schneit.
Die Fähre legt pünktlich ab.
Endlich lassen wir Venedig und den Winter hinter uns.

Pah! Venedig vielleicht, aber den Winter…

Eigentlich habe ich mir gedacht, ich fang hier heute ganz anders an.
So von wegen, wie schön warm es hier ist und wie blau der Himmel über uns strahlt.
Aber nix da!
So ungefähr das Erste was uns in Griechenland passiert ist: wir sind im Schnee stecken geblieben! Im strömenden Regen!
Ja richtig, im Schnee! Das ist mir bis jetzt nicht mal daheim im Winter passiert!

Aber von Anfang an:
Die Überfahrt von Venedig nach Igoumenitsa ist gut über die Bühne gelaufen.
Jap, Igoumenitsa!
14 Std vor Abfahrt kam nämlich nochmal eine SMS von Minoan Lines.
Es würde jetzt doch nicht nach Patras gehen, sondern nach Igoumenitsa.
Wenn man das nicht möchte, könnte man stornieren.
Hm… wartet mal… hatten wir nicht ursprünglich genau das gebucht und hatte Minoan Lines uns nicht zwei Wochen vorher erzählt dass es eben nicht nach Igoumenitsa geht, sondern nach Patras!?
Ach, was soll’s! Wir sind flexibel, richtig?! 😉

Mittags in Igoumenitsa angekommen waren wir erstmal ein bisschen geschockt.
Hatten wir doch, dank wetter.de, erwartet es hätte hier 15 Grad und Sonnenschein. Äh, nein!
Es war bewölkt, kalt und fürchterlich windig!
Na gut… so fiel uns die Wahl, unseres weiteren Weges, wenigstens nicht schwer.
Wir machten uns auf, weg vom Meer, ins Hinterland.
Grobe Richtung: Meteora
Eines unserer ersten großen Ziele.

Es dauerte nicht lange und wir hatten eine unglaubliche Aussicht auf unserer Route, die sich immer größer werdende Hügel hoch und runter schlängelte.
Vor uns: gigantische schneebedeckte Berge.
Zu dem Zeitpunkt, waren meine Worte noch: ‚Lass uns anhalten und Fotos machen’
Da wussten wir noch nicht, wie unglaublich Nahe wir den Dingern und vor allem dem Schnee am nächsten Tag kommen würden.

Ca. 90 km. vor Ioannina verbrachten wir unsere erst Nacht.
Ohne Stellplatz. In der Wildnis. Ohne Vorkommnisse.
Check!

Am nächsten Morgen beschlossen wir auf dem Weg, der uns an Ioannina und dem Pamvotida-See vorbei führte, noch einen See namens Techniti Limni Aoou kurz dahinter ‚mitzunehmen‘.

Andi gab das Zwischenziel in unser Navi ein, welches uns kurz hinter Ioannina in eine kleine Straße lotzte.
Die, wurde recht schnell zu einem unbefestigten Weg, der nach einigen km für uns, nicht mehr befahrbar war.
Also drehten wir um.

Eine Alternativroute führte uns ein Stückchen weiter durch Metsovo, einen Skiort.
Ja richtig, so einer, wo Menschen Skifahren und Snowboarden.
Seit dem Morgen waren wir nämlich immer höher hinauf gekrochen und mittlerweile hatte es bestimmt 1,60 m Schnee um uns herum.

Ein Stückchen hinter Metsovo wollte das Navi von uns, dass wir links in eine kleine Straße einbiegen.
Die Tatsache, dass Andi mich erst anguckte, bevor er in die Straße bog, sagte eigentlich schon alles.
50 m weiter blieb er stehen und schaut nochmal zu mir rüber.
„Ich würde da nicht reinfahren“, waren meine Worte.
Er überlegt kurz, da kam uns ein 4×4(!!!) Pickup entgegen, und er meinte:
„Andere Autos fahren ja auch hier, das geht!“
Und schon fuhren wir den, äußerst umgeräumten, unglaublich engen Weg entlang.

Es ging nur langsam voran, aber nach einigen km löste sich meine leichte Anspannung wieder, da ich sah, es ging tatsächlich.
„Wenn’s ist, wir haben ja ne Schaufel dabei“, scherzte ich mit meiner mittlerweile zurückgekehrten guten Laune.
Hätte ich bloß mal meine Klappe gehalten!
…keine 10 Minuten später…
steckten wir nämlich auch schon fest!
Kein vor mehr. Kein zurück.
Na dann mal her mit der tollen Schaufel.

Super, so hab ich mir unseren vermeidlichen „Sommer“-„Urlaub“ vorgestellt!
Jetzt bin ich echt am Schnee schaufeln?!
Ich hab echt gedacht, jetzt hackt’s!

Nachdem wir freigeschaufelt waren, fuhr Andi ein Stückchen hinter, um Schwung zu holen und dann wieder nach vorne.
Ungefähr 1-2 Meter.
Dann hing er wieder fest.
Gut, gleiches Prozedere nochmal….
Und wieder steckte er fest.
Das ging einige Male so.
Zu allem Überfluss, fing es nun auch noch an in Strömen zu regnen! Was den ohnehin schon wässerigen Schnee binnen kürzester Zeit schwerer und schwerer machte.
(Weil wenn scheiße, dann so richtig oder?! :D)

Ich muss hier mal kurz einwerfen, die Straße war einspurig und der Schnee lag fast 2 m links und rechts von uns an den Straßenseiten. Es gab auf dem kompletten Weg absolut keine Möglichkeit zu wenden. Sonst hätten wir das schon getan. Sogar schon vor unserem, naja, Schlamassel.
Nur gut, dass uns die ganze Zeit wenigstens keiner entgegen kam.
Naja…. alle anderen wussten es wohl besser!
Wir doofen Touris, wir! 😀

Komplett durchnässt, abwechselnd mit Schaufel und Händen, buddelten, schoben und fuhren wir Stück für Stück weiter.
(Man die Straße, die wir hinter uns ließen hättet ihr mal sehen sollen, da kommt so schnell keiner mehr durch. Auch kein 4×4 Pickup… )
Das ging ungefähr 150 m so. Bis sich die ‚Straßenverhältnisse‘ etwas besserten und wir wieder fahren konnten.
Erleichterung machte sich breit!

Es dauerte aber nicht lange…
Die gleiche Scheiße wieder.
Ich und Baku also nochmal raus aus Geronimo und wieder am schaufeln.
„Bleib ja nicht stehen, wenn er fährt!“ rief ich Andi zu, während er wieder ‚Schwung‘ holte…
Und schon durften Baku und ich gut 2 km hinterher laufen.
Der fand’s übrigens super! Definitiv der einzige, der an der ganzen Aktion einen heiden Spaß hatte.

(Falls jetzt jemand denkt, das arme Mädl, was lässt er sie denn die ganze Arbeit machen…
Andi hatte, einige Male, versucht mich zurück in den Bus zu schicken. Am Ende saß aber jedes mal er wieder drinnen.
Ich entwickle da nämlich bei gewissen Dingen einen ziemlichen Ehrgeiz, da ist mir dann scheiß egal wie naß, kalt oder anstrengend etwas ist! Und überhaupt, selbst ist die Frau, richtig!? So! 😉 )

An der Stelle an der Andi auf uns wartete, wurde die Straße an einer kleinen Stelle etwas breiter und gab uns so tatsächlich, endlich, die Möglichkeit zu wenden.
Ha, wenden?!
Ne echt nicht, wir fahren den Mist doch jetzt nicht wieder retour!
Schlimmer kann es nicht mehr werden, dachten wir und fuhren einfach weiter geradeaus.
Gute Entscheidung!
Nach 1-2 km verschwand der Schnee von der Straße und wir waren tatsächlich ‚durch‘.

* Von unserer tollen Aktion, die so an die 3 Std dauerte, gibts übrigens keine Foto- oder Videobeweise. Sorry.
Wir wollten da einfach nur raus und weg.
Sollte uns aber ähnliches, bei heiter Sonnenschein nochmal passieren, wird alles fein säuberlich dokumentiert, versprochen. 😉

Da der Weg, den wir eigentlich um den See nehmen wollten, nicht, also noch weniger, frei gewesen war, als unsere zurückgelegte Route, kamen wir an einer komplett andere Stelle heraus als geplant.
So mussten wir, als wir endlich wieder weiter Richtung Meteora fuhren, erneut an Metsovo und an der bösen, bösen Abzweigung vorbei, die wir diesmal aber links liegen ließen.

Einige km weiter sollet es rechts abgehen.
Ja genau, sollte es!
Die Straße gab es nicht.
Bzw. es gab sie schon, aber sie war komplett zugeschneit und unbefahrbar. Man sah nichtmal, wo es hätte ab gehen sollen.
Aber, kein Problem. Fahren wir halt geradeaus weiter.
Navi sucht Alternativeroute…
…Alternativeroute gefunden, 53 km bis zu Ziel.
In 5 km links abbiegen.
Geht nicht!
Ok. Geradeaus weiter.
Navi sucht Alternativeroute…
…Alternativeroute gefunden, 64 km bis zu Ziel.
In 11 km links abbiegen.
Geht nicht!
Macht nix. Geradeaus weiter.
Navi sucht Alternativeroute….
…Alternativeroute gefunden, 68 km bis zu Ziel.

So ging es ungefähr die kommenden Stunde.
Immer, wenn wir wo abbiegen sollten, gab es die Straße nicht.

Kein einziges Auto kam uns in der Zeit entgegen oder überholte uns.
Es war unglaublich nebelig und die kleiner Dörfer, die wir passierten, schienen alle verlassen.
Wir hatten irgendwann komplett die Orientierung verloren.
Fast, als ob wir uns in einem Labyrinth verfahren hätten.
Aus dem wir, aber irgendwann, schafften wieder zu entfliehen.

Der nächste Morgen zeigte Griechenland in einem komplett anderen Licht.
Trotz des Schnees, der immer noch um uns herum lag, strahlte die Sonne, bei bestimmt 14 Grad, vom blauen Himmel herunter.
Nun bemerkten wir auch den gigantischen Ausblick, der sich von unserer ‚Haustür‘ bot.
Wir hatten den Platz im Dunklen gesucht und somit die atemberaubende Umgebung nicht wahrgenommen.
So kann es weiter gehen!

Etwas später erreichten wir Meteora, dessen Klöster und die unglaublich eindrucksvollen Gesteinsformationen.
Dort verbrachten wir dann auch den restlichen Tag.

Den Folgenden erwachten wir am Fuße des Olymps.
Naja fast, so 30 km davon entfernt.
Von dem unglaublich schönen Wetter und davon, dass wir endlich im T-Shirt herumlaufen konnten, geflasht, hatten wir sofort das Bedürfnis uns wieder ans Meer zu begeben!
Nur gut, dass das keine Stunde entfernt war.

Auf dem Weg dorthin legten wir aber noch ein kleiner Stopp in einem der Mikel Coffee Company Stores in Larissa ein, um bei Wifi, Cappuccino & Co., Bank- und Steuer Angelegenheiten zu klären.
Als die Arbeit erledigt war, ging es weiter.

Eine gute Stunde später saßen wir am Strand, machten Brotzeit und verbrachten unsere erste Nacht am Meer. Check!

Das war gestern.
Heute: Neblig, nass und sehr windig.
Laut Wetterbericht aber nur wieder mal so ein blöder Tag zwischendurch.

Heut morgen beschlossen wir Pilion anzusteuern.
Laut Reiseführer eine der schönsten Gegenden Griechenlands.
Nach rund 60 km Fahrt erreichten wir Volos, eine etwas größere Stadt, von welcher, die Straße entlang Pilion beginnt.
Nach einem kurzen Mittagssnack an der Westküste beschlossen wir, auf Grund des starken Windes, auf die östliche Seite der Halbinsel zu fahren.
Unsere Annahme: Geschützt durch den Mount Pilion und seine Ausläufer können wir dem Westwind auf der östlichen Seite entkommen.
So schraubte Geronimo sich bald Kilometer für Kilometer die Berge gen Osten hoch.

Je höher wir kamen, desto schlechter wurde die Sicht.
Bald sahen wir keine 10m mehr.
Zu allem Überfluss waren die Serpentinen die uns die Berge entlang führten unglaublich schlecht, schmal und steil.
Alle paar 100 Meter versperrte entweder eine Schlammlawinen den Weg, an der man sich vorbeischlängeln musste oder ein Teil der Straße war den Abgrund hinunter gebrochen, so dass man teilweise nicht mal mehr eine halbe Fahrbahn zum Befahren hatte.
Wenn wir Glück hatten, war die Straße dann mit Kies aufgeschüttet.
Wenn nicht, hieß es Augen zu und durch.
Oder eher: alle Augen ganz weit auf und aufgepasst.

Irgendwann, als es wieder Richtung Meer ging, lichtete sich der Nebel.
Die Straßen allerdings, wurden noch schlechter und noch steiler, als wir die Küstendörfer erreichten.
So ohne Nebel aber, erkannte man das Ausmaß, welches das schlechte Wetter, bzw. wohl der ganze Winter, hinter sich gelassen hatte.
Straßen, Häuser und ganze Abhänge waren vom Regen und der Schneeschmelze unterspült worden und weggebrochen.
Einiges war schon notdürftig fixiert und aufgeschüttet worden, anderes sah aus als wäre es eben erst passiert.
Auch das Chaos das hier an der Promenade und dem Strand des Örtchens Agios Ioannis zu sehen ist, ist unbeschreiblich!

In Agios Ioannis, an der Ostküste Pilions, werden wir trotz alle dem, unsere heutige Nacht verbringen.
Auf einem Parkplatz, weit genug entfernt von Abhängen und Dingen die herunter- oder abrutschen könnten.

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