GOBI II – Abenteuer Ice Canyon

– Sabi`s View –

Schon die Einfahrt in den ‚Ice Canyon‘ war eine Überlegung und ein Zögern wert, denn der Weg hinab war steil.
Sehr steil.
So sehr, dass uns bewusst war: Hoch kommen, würden wir hier nicht mehr.

Nachdem wir den Weg nach unten erkundet hatten, sahen wir jedoch, dass etwas weiter hinten im Flussbett, in welchem es entlang ging, noch ein Weiterer, weniger steiler Weg, wieder hinauf führte.
Somit war die Sache klar.
Wir wagten uns hinunter.
Baku und ich zu Fuss voraus.
Andi mit Geronimo hinterher.

Unten angekommen verlief der Weg nach links in den Canyon hinein.
Da er, durch kleine Bauchläufe und über Schnee und Eis führte, beschloss ich vorsichtshalber weiter voraus zu gehen, um den Boden genauer unter die Lupe zu nehmen können.
Andi folgte.
Baku durchstöberte die Umgebung.

Ein paar 100 Meter weiter merkte ich, dass der Boden unter meinen Füßen leicht nachgab.
Er wurde immer schwammiger.
Nicht besonders schlimm, aber evtl. zu schwammig für Geronimo, denn ich wieg ja keine 4,5t.

Ich drehte mich um.
Wollte Andi warnen.
Ihm sagen wir sollten es uns erst genauer anschauen, oder andersherum fahren.
Aber…
Zu spät!
Ich hatte zu langsam reagiert.
Oder Andi war zu schnell gefahren.
Das kann man sich jetzt aussuchen.
Jedenfalls saß Geronimo nun fest.
Mit dem rechten Hinterreifen im weichen Kiesboden.
Und zwar so richtig.

Andi versuchte noch einmal herauszukommen.
Aber das rechte Hinterrad drehte durch, schleuderte Wasser und Kies umher und grub sich immer weiter ein.
Hinten saßen wir fast auf.
Das machte keinen Sinn.
Auch der linke Hinterreifen war etwas eingesunken, bewegte sich jedoch kein Stück.
Die Vorderreifen hatten ‚es geschafft’.
Sie standen auf festem Boden.
Gebracht hat uns das allerdings auch nichts.
Immerhin haben wir ja keinen 4×4.

So hieß es also mal wieder, raus mit der Schaufel, dem Wagenheber, der Axt und den Keilen…
Ja wir packten alles aus, was wir so dabei haben.
Versuchten alles, was uns so einfiel und was wir in den vergangen Monaten bei Situationen wie diesen ‚gelernt‘ hatten.
Schaufelten, hebelten, schleppten Steine umher…
Wir veränderten sogar die Bachläufe, damit Geronimo nicht weiter unterspült wurde…
Aber obwohl wir diesmal so kreativ waren, wie noch nie zuvor, wurde uns nach ungefähr 1 1/2 Stunden langsam aber sicher klar:
Raus kommen wir hier nicht mehr!
Allein jedenfalls nicht.
Und so machte sich Andi, zum allerersten Mal auf unserer Reise, auf den Weg Hilfe zu holen.

Er war gute zwei Stunden unterwegs.
Und dass er so schnell mit Hilfe wieder kam, hatte ich absolut nicht erwartet.
Immerhin waren wir irgendwo im Nirgendwo in einem Canyon der Wüste Gobi unterwegs.
Und das ‚Off Season‘.

Unsere Hilfe kam in Form eines Pick Ups, beladen mit zwei Yaks.
Die Insassen, ein Mann und eine Frau, begutachteten unser, naja nennen wir es mal, Problem.
Nach einem gekonnten Blick, schauten sie zu uns rüber und schüttelten erstmal den Kopf.
Er deutete auf sein Auto, unseren Bus und den Boden vor Geronimo.
Und schüttelte ihn nochmal.
Mit Händen und Füßen machte er uns klar, er würde sich nicht trauen uns auf diesem Boden herauszuziehen und wir sollten doch ‚größere‘ Hilfe rufen.
Ein wenig merkte man ihm auch an, er hatte nicht wirklich Lust auf das Ganze.

Irgendwie schafften wir es dann doch, dass er sein Auto vor Geronimo platzierte und mit Hilfe unseres Abschleppseiles versuchte das, bestimmt doppelt so schwere, Gefährt aus dem Kies zu befreien.
Es bewegte sich nichts.
Keinen Zentimeter.

Eine kleine ‚Diskussion‘ später, ging er wieder zum Bus und betrachtete den Reifen noch einmal genauer, während Andi sich auf den Weg machte, zwei Bretter und einen Teppich zu holen, welche er auf seiner Suche nach Unterstützung gefunden und am Anfang des Canyons liegen gelassen hatte.
Die zwei Mongolen gingen zu ihrem Pick Up, stiegen ein und fuhren weg…
Na super!
Allerdings kamen sie 5 Minuten später mit Andi wieder.
Ausser ihn und seine ‚Ausbeute‘, hatten sie noch 3 riesige flache Steine und ein altes Straßenschild eingesammelt.
Wir luden alles ab und los ging’s.

Die Fertigstellung unserer Konstruktion dauerte bestimmt eine Stunde.
Wir sägten das Holz in passende Stücke, klopften Steine in den Boden, hebelten Geronimo hoch und runter, und platzierten alle möglichen Utensilien unter dem linken und rechten Hinterreifen, um ihnen wieder Grip und festen Untergrund zu geben.
Als es vollbracht war kam das Abschleppseil wieder zum Einsatz.
Andi stieg in Geronimo.
Unser Helfer in seinen Pick Up.
Und nachdem die zwei Yaks, die die ganze Zeit äusserst geduldig drein blickten, ein paar motivierende Laute von sich gegeben hatten, wurden die Motoren gestartet.
3…
2…
1…
Und fast schon mit einem riesigen Satz ‚sprang‘ unser zu Hause, aus dem weichen Boden hervor und kam mitsamt Abschleppkommando ein paar Meter weiter vorne wieder zum Stehen.
Wir Frauen, die alles aufs genauste beobachtet hatten, jubelten, schrieen und sprangen vor Freude umher.
Wir hatten es geschafft!
Was für ein Erfolgserlebnis! 😀

Wir bedanken uns und gaben unseren Rettern in der Not ein paar Scheinchen, welche, wie ich später von Andi erfahren habe, von Anfang an Teil der ‚Abmachung‘ bzw. Bedingung für die Hilfe waren.
Naja, draußen ist draußen, richtig?
Egal ob jemand aus Herzensgüte oder wegen einer Belohnung mitgeholfen hat. 😉

Als die Mongolen uns wieder verlassen hatten und wir uns ans aufräumen machten, merkte ich auf einmal wie kalt es bzw. mir eigentlich war.
Denn vor lauter Aufregung und Adrenalin hatten wir gar nicht bemerkt, dass ein fürchterlich kalter Wind wehte und mir anscheinend irgendwann das eisige Wasser in die Schuhe gelaufen war und ich meine Füße kaum noch bewegen konnte.
Ein heißes Fußbad musste schleunigst her!
Und da wir, auch weil es schon dunkel geworden war, keine Lust auf noch mehr Abenteuer hatten beschlossen wir, für die Nacht, genau da stehen zu bleiben wo wir eben standen.
Ein Fußbad und Sandwich später, denn auch das Essen hatten wir irgendwie den ganzen Tag vergessen, fielen wir tot müde ins Bett.

Der restliche Besuch im Gobi Gurwan Saichan National Park, verlief, Gott seins gedankt, ziemlich unspektakulär und ohne weitere Zwischenfälle.
Nach unserer Nacht im Ice Canyon, besuchten wir den Yolyn Am, und auch wenn wir anfangs eigentlich auf ‚Canyon‘ so gar keinen Bock mehr hatten, waren der Besuch dort und an den Flaming Cliffs echte Highlights.

Nach gut 3 Wochen Gobi war es dann soweit.
Wir machten uns auf den Weg zurück in die Hauptstadt.
Zurück in die Zivilisation.
Und zum ersten Mal, seit Beginn unserer Reise, waren wir froh die Natur hinter uns zu lassen und endlich wieder Asphalt unter uns und Menschen und Hochhäuser um uns zu haben.
Ja, man kann wirklich sagen die Gobi war unsere, bis jetzt, größte Herausforderung und hat Andi, Geronimo und mir* so einiges abverlangt…

*Baku fand’s super 😀

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