Scheißteil!

– Andi`s View –

„Schau mal da ist ein Baum…“
„Oh ja, da kommt noch Einer…“
„Schau, da kommt ein ganzer Wald…“

Zwei Monate waren wir in der Mongolei unterwegs. Und dabei hatten wir jeden Tag atemberaubende Natur vor Augen. Die meiste Zeit über war jedoch kein einziger Baum, geschweige denn ein Wald, zu sehen.
Je näher wir der russischen Grenze um Altanbulag kamen, desto dichter standen die Bäume zusammen. Fichten, Birken und Tannen zierten die hügelige Landschaft um das Grenzgebiet.
Ja in der Tat. Wir durchfuhren einen Wald. Etwas surreal nach dieser langen Zeit aber dennoch irgendwie vertraut und heimisch.
Manches wird Einem eben erst bewusst, wenn man es nach langer Zeit wieder um sich hat. Scheinbar brauchen wir das. Den Geruch von Holz und triefendem Harz, das Geräusch der Blätter im Wind und eine bewaldete Landschaft soweit das Auge reicht.

Danny und Laura, welche mit uns in Griechenland unterwegs waren, hatten erzählt, dass sie irgendwann auf ihrer Reise einen Baum umarmten und es ein magischer Moment gewesen sei.
„Alles klar…“
„Warum auch nicht…“
Jedenfalls, ich dachte mir meinen Teil dabei 😉
Jetzt, ich weiß auch nicht, klingt es komisch, wenn ich es etwas besser nachvollziehen kann?!
Wie auch immer…
Wir waren sehr froh, landschaftlich wieder etwas Vertrautes zu sehen.

Angekommen am Grenzposten reihten wir uns in die Schlange der wartenden Pkws und Lkws ein.

Grenzübergänge gehören ja mittlerweile zur Routine. Man weiß was zu tun ist, welche Dokumente man braucht und welche abgestempelt werden müssen. Alles nicht mehr so stressig und chaotisch wie zu Beginn unserer Reise.
Diesmal waren wir aber dennoch etwas aufgeregt. Es gab Grund zur Sorge.
Bei unserer Einreise in die Mongolei hatten wir kein Zolldokument für Geronimo bekommen. Für gewöhnlich erhält man ein solches Schriftstück bei jeder Einreise in ein anderes Land. Damit wird belegt, dass man ein Fahrzeug aus einem anderen Land zeitweise einführt und am Ende, sprich bei der Ausreise, wieder mit ausführt.

Warum auch immer hatte die Zollbeamte an der mongolischen Grenze uns kein derartiges Schriftstück ausgehändigt. Und wir, voller Euphorie darüber endlich die Mongolei erreicht zu haben, dachten nicht weiter darüber nach und haben auch keine Anstalten gemacht uns danach zu erkundigen.

Wer die Schuld trägt? Nun, spielt jetzt keine Rolle mehr…
„Ohne Zolldokument kommt ihr hier nicht so einfach raus“ hatte uns der Werkstattleiter in Ulan Bataar gesagt.

Na prima…

Nach einer Stunde warten wurden die Tore der Grenze für uns geöffnet. Wir fuhren also ein und machten uns mit unseren Dokumenten an die Arbeit.
Das Prozedere ist immer das Gleiche. Zunächst muss man sich in demjenigen Land, welches man verlässt, abmelden. Man steuert zuerst die Passkontrolle an, dabei werden die Visa ausgestempelt, dann geht es weiter zum Zoll, welcher das Fahrzeug begutachtet.
Die mongolischen Beamten nahmen es mit der Fahrzeugdurchsuchung bei uns mal wieder nicht so genau. Ein Blick reichte schon und wir durften weiter in das Büro um die Formalitäten zu klären.

„Where is your toll document, Sir?“
„I don´t understand!“
„Your toll ducumentation for your car, Sir! Where is it?“, fragte ein älterer Beamter, dessen Uniform mit zahlreichen Abzeichen dekoriert war.
„We didn`t get any toll document?!“

Unwissenheit und auf dumm stellen hat uns schon aus so mancher Situation gebracht…
Nach 30 Sekunden des Schweigens, fing der Beamte plötzlich an zu lachen, winkte ab und sagte „No problem!“, ein „Save journey“ warf er noch hinterher als wir den Raum verließen.

Geschafft! Wir hatten einen kleinen Zettel in der Hand, welcher die Ausfuhr Geronimos belegte.
Wir waren sehr erleichtert! Und mal wieder hatte sich gezeigt, es gibt immer einen Weg!
Freundlichkeit, Höflichkeit, Respekt und manchmal auch etwas Unwissenheit öffnen Einem so manche Tür. Im wahrsten Sinne des Wortes 😉

Weiter ging es also zum russischen Grenzposten. Dasselbe Spiel erneut.
Passkontrolle und dann ab zum Zoll.
Die russischen Beamten nahmen es da schon etwas genauer. Ja, sogar die Einreise von Baku wurde, das erste Mal auf unserer Reise, mit einem Foto festgehalten.
Dennoch lief alles reibungslos ab. Die Beamten waren sehr höflich, relaxt und hilfsbereit. Sie übernahmen sogar das Ausfüllen der notwendigen Zolldokumente für uns. Denn Kyrillisch konnten wir uns leider noch nicht aneignen 😉
Alles in allem brauchten wir für den kompletten Grenzübertritt um die vier Stunden.

Am darauffolgenden Tag machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Baikalsee, denn mittlerweile hatten wir einen Plan.

Wie ihr wisst, hatten wir die letzten Wochen immer eine, zunehmend stärker werdende, Sorge im Hinterkopf. Der Winter hatte uns schon längst erreicht und die Temperaturen sanken jeden Tag etwas mehr. Für uns war relativ schnell klar, dass wir für die, vor allem im Januar, kälteste Zeit in Sibirien eine feste Unterkunft brauchen. Zumal wir mittlerweile nicht mehr all zu viel Vertrauen in die Funktion unsere Standheizung setzten, wurde der Drang nach etwas „Häuslichem“ immer größer.

Wie man das heute eben so macht hatten wir die vergangenen Tage auf Airbnb recherchiert und wurden recht schnell fündig. Wir hatten uns für eine kleine Holzhütte Nahe des Baikalsees entschieden, welche auf einer Eco-Farm rund 40 km nördlich der Stadt Irkutsk steht. Nach etwas Hin und Her zwischen uns und der Vermieterin wurden wir uns schließlich einig.

Wir buchten die Hütte, und zwar mit einem Hintergedanken.

Klar, zum Einen suchten wir Schutz vor der Kälte. Zum Anderen dachten wir uns, vielleicht kann man auf einer Eco-Farm gewisse Eindrücke für das spätere, ökologische Leben, mitnehmen.
Neue Lebensweisen kennenzulernen schadet sicherlich nicht!

Wir hatten also eine Unterkunft. Von Anfang Dezember bis Ende Januar würden wir nun in einer kleinen Holzhütte verweilen und den Minusgraden standhalten. Und wer weiß, vielleicht lernen wir noch etwas Nützliches dabei.
Soweit unser Plan…

Von der Grenze waren es noch rund 700 Kilometer bis zur Farm, welche wir innerhalb einer Woche zurücklegten. Einen unfreiwilligen Zwischenstop legten wir dabei in Ulan Ude ein.

Warum?

Na, wie sollte es auch anders sein, die Heizung gab den Geist auf und wir waren gezwungen zu handeln.
Das Scheissteil (sorry) zündete nicht mehr. Wie schon in der „Horrornacht“ in der Mongolei kam vermehrt weißer Rauch aus dem Abgasrohr. Nur dieses Mal wesentlich mehr davon.

Für mich war klar, dass sie nicht mehr zündet. Gründe dafür kann es viele geben, deshalb entschlossen wir uns dazu das Scheissteil zu zerlegen.

Kaum hatten wir das Gerät zerlegt, war die Ursache schnell gefunden. Das Flammschutzsieb, welches den Sprit fein zerstäubt und in die Brennkammer leitet, war defekt.

Wenn man es genau nimmt, waren wir Schuld daran. Wir hatten nach unserem Zwischenfall in der Mongolei dem Diesel immer wieder Additive beigemischt, damit er uns nicht wieder einfriert. Das hatte eine zu hohe Temperatur in der Brennkammer der Heizung verursacht und führte dazu, dass das Sieb langsam aber sicher schmorte.

Dieses Sieb ist im Normalfall schnell auszutauschen und mit nicht einmal 5€ auch erschwinglich. Aber jetzt finde das erst einmal hier in irgendeinem Laden!?
Nach kurzer Recherche hatten wir eine russische Handelskette für Kfz-Zubehör ausfindig gemacht und versuchten unser Glück dort.

Wir gingen also in den Laden und siehe da, in der Auslage lag genau unsere Standheizung.

Ein ziemliches Glück würde ich behaupten!
Es gab zwar die Heizung, das Ersatzteil gab es allerdings nicht. So waren wir gezwungen das komplette Scheissteil in neu zu kaufen. Hilft ja alles nichts, denn ohne Heizung geht es nun mal nicht!
300€ ärmer (zirka 50% vom Preis, was wir damals in Deutschland dafür bezahlt hatten) und 3 Arbeitsstunden später lief das neue Scheissteil dann wieder.

Nach 3 Tagen in der Hauptstadt der russischen Republik Burjatien machten wir uns dann weiter auf den Weg Richtung Eco-Farm. Nach weiteren 450 Kilometern passierten wir dann Irkutsk, 26 Kilometer weiter nördlich bogen wir links ab, fuhren unter einer Schranke hindurch, etwas geradeaus, dann links und plötzlich stand eine Frau winkend auf der Straße…

2 Kommentare
  1. Georg says:

    Hey:) seid ihr wirklich auf 14″ Reifen unterwegs? Diese süßen kleinen Dinger;) beobachte euch nun mal hier und mal da, ihr scheint den Bus komplett lackiert zu haben. Die Fotos sind top, welches Technik benutzt ihr, Kamera und objektiv?
    Beste Grüße Georg

    Antworten
    • Andi says:

      Das sind immerhin 16 Zoll 😀
      Du hast recht, die sind klein aber reichen völlig aus.

      Wir photographieren mit einer Canon 70D – Objektiv ist die Standardbrennweite 18-55mm

      Antworten

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