PAMIR II – Big Problem, kein Problem

– Sabi`s View –

Tag 7: 146km

Es geht nach Murgab!
Eine der 4 ‚Städte‘, welche auf der M41 liegen.
Und eine der einzigen Möglichkeiten auf der kompletten Strecke von Duschanbe nach Osh Diesel zu tanken.
Falls die Tanks der Tankstellen gefüllt sind!
Da wir halb leer sind ( ich bin echt kein Pesimist, aber auf so einer Strecke muss man das halt so sehen 😀 ) steuern wir gleich mal die Erste an.
Wir haben Glück!
Es gibt Diesel!
Und die Qualität ist nichtmal schlecht!
Obwohl Geronimo da ja nicht sehr wählerisch ist! 😀
Wir stocken unsere Trinkwasservorräte noch auf und weiter gehts.

Nach insgesamt circa 30 km passieren wir einen Fahrradfahrer.
Wir winken, wie wir es immer tun, wenn wir andere Overlander sehen.
Er winkt zurück.
Allerdings merken wir, dass das Winken kein ‚Hallo‘ ist.
Sondern eher ein ‚Stop‘ oder ‚Hilfe‘.
Wir halten an und fahren wieder ein Stückchen zurück.
‚Hi guys! I’m out of water, you have some?‘
Klar! Immerhin waren wir vorher ja noch einkaufen.
Keuchend nimmt der Niederländer einen großen Schluck, bedank sich, bestätigt auf Nachfrage, dass es ihm gut geht und meint ob wir seinen Freunden, welche vor him fahren noch mitteilen können, er hätte keine Probleme, sondern ist heute nur etwas langsamer!
Auch seine 3 Kollegen, aus England und Frankreich, die jeweils ein paar km voreinander fahren, versorgen wir dann mit 1,5l Wasserflaschen und so kommt es, dass wir uns nicht nur vorkommen wie ein Begleitfahrzeug bei der Tour de France, sondern dass auch unser Einkauf ganz schnell wieder weg ist. 😀
Verrückte, Fahrradfahrer!!!

Spät nachmittags erreichen wir unseren Stellplatz für diese Nacht.
Eine Karawanserei der Seidenstraße von 1899 auf 4005 m.

Tag 8: 88km

In der Nacht ging es mir gar nicht gut!
Mir war schlecht, schwindelig und als ich raus ging um Luft zu schnappen haut es mich fast um.
Sofort kommt mir da die Höhenkrankheit in den Sinn…
Allerdings sind wir doch schon seit 2 Tagen auf über 4000m unterwegs?!
Kann das denn dann überhaupt sein?

In der früh setzten wir uns raus um zu frühstücken.
Es ist kalt. Sehr kalt.
In der Nacht hatte es bestimmt um die -10 Grad.
Die Winterjacken, in welche wir uns hinein kuscheln, haben wir vor 2 Tagen wieder herausgeholt.
Man, wie froh ich war die wegzupacken…
Aber die frische, kalte Luft tut gut.
Und langsam geht es mir wieder besser!
Nach nicht mal einer halben Stunde ist der Spuk vorbei!
Scheint fast so, als wäre mit der Höhenluft und der Heizung der Sauerstoff im Bus einfach zu knapp geworden.
Zwecks der Kälte waren die Fenster nur minimal offen…
Schön blöd! *räusper*
Aber gut…
Weiter gehts! 😀

Nach 28 km erreichen wir den Ak Baital Pass mit 4655m.
Den höchsten Punkt des Pamirs.
Und unserer Reise.
Kurz zuvor treffen wir wieder unsere Fahrradfahrer.
Zwei davon sehen so beschissen aus, wie ich in der Nacht gefühlt haben: Sie sind höhenkrank.
Wir bieten ihnen an sie mitzunehmen. (Immerhin haben wir ja jetzt einen Dachträger wo genügend Platz für ein paar Fahrräder wäre 😉 )
Aber sie wollen keinen ‚Lift‘.
Den Pass, und höchstgelegenen Punkt auch ihrer Reise, wollen sie alleine schaffen.
Verständlich!
Trotzdem… VERRÜCKT!
Wir fahren weiter.

Auf den Ak Baital, welcher bis auf die letzten 3,5 km mehr oder weniger asphaltiert ist, schaffen wir es ohne Probleme.
Wir hatten von anderen alten Autos gehört, die Schwierigkeiten mit der dünnen Luft hatten.
Nicht so unser Geronimo.
Dem macht die Höhe bislang so gar nicht zu schaffen.

Geparkt wird auf 4655m.
Und weil das nicht reicht, wandern wir das letzte Stück noch hoch.
4700-irgendwas.
Wir sind auf dem Dach der Welt!
Und vollkommen und absolut aus der Puste! 😀

Anschließend fahren wir noch bis Karakol, füllen das Wasser auf, und beschließen uns nach den ‚Strapazen‘ des heutigen Tages ein Abendessen in einem der ‚Homestays‘ des Dorfes zu gönnen.

Tag 9: 81km

Heute wird’s ernst.
Wir machen uns auf zur Grenze: Tadschikistan – Kirgistan
Aber nicht der Grenzübergang an uns für sich, bereitete uns vorab so einiges an Kopfzerbrechen.
Eher die 20km dazwischen.
No Mans Land.
Und der Grund warum wir uns am Ende dazu entschieden hatten, einen kleinen Umweg zu machen und den Pamir von Westen aus zu befahren.
Na dann…

Auf den 52 km bis zur Grenze gibt es kein Problem, die Straße ist größtenteils asphaltiert und auch die, laut IOverlander, fehlende Brücke und das daraus entstehenden ‚river crossing‘ kann man, aufgrund der anscheinend trockenen vergangenen Wochen, höchstens als ‚Pfützendurchquerung‘ bezeichnen.
Alles easy also!
Bis jetzt…
Denn als wir nach 1,5 Stunden an der Grenze ankommen ist das erste was wir hören: ‚Big Problem!‘
Unsere, mit Abstand, aller liebste Lieblingsaussage auf der Reise, welche wir regelmäßig von Polizei und Grenzbeamten in allen möglichen Ländern zu hören bekommen hatten.
‚Big Problem‘ hier, ‚Big Problem‘ dort.
Im Endeffekt war nie irgendwas ein großes Problem gewesen, sondern nur dummes Dahergerede, was man mit genügend Geduld oder Einfallsreichtum wegquatschen konnte.
Trotzdem hatten wir diesen Kommentar mittlerweile so dick, dass die Tadschikischen Borderguards bei uns von Anfang an verschissen hatten. 😀
Und hier gab es gleich ZWEI!

Big Problem Nr. 1:
Normalerweise muss das Auto bei Einreise nach Tadschikistan ‚desinfiziert‘ werden.
‚Desinfiziert’ wird das Auto bei Ankunft (laut anderen Reisenden) indem man in einem Büro um die 4 Euro zahlt und dafür einen Wisch bekommt, welchen man bei Ausreise vorzeigen muss!?
Wie schon in der Mongolei (wo alibimäßig wenigstens 2 unserer 6 Reifen mit Wasser angesprüt wurden) reine Geldmacherei!
Aber gut.
Als wir damals bei Einreise danach fragten hieß es, wir benötigen sowohl die ‚Desinfektion‘ als auch den Wisch nicht.
Und jetzt standen wir da und hatten dieses ‚Big Problem‘, denn wir hatten keinen Beleg vorzuweisen.
Nach einigen Erklärungsversuchen bei dem dafür zuständigen Grenzbeamten, der ganz eindeutig besser englisch sprach als er vorgab, zahlten wir eine Strafe von 8 Euro.
Denn was sind schon 8 Euro wenn man absolut keine Lust auf Diskussionen hat. -.- 😀

Big Problem Nr. 1 SOLVED!!!

Big Problem Nr. 2:
Auch wenn das Visum, das man für Tadschikistan bekommt 30 Tage gilt, so ist die Gebühr von 45 Dollar, die man an der Grenze für das Fahrzeug verrichten muss nur für 15 Tage gültig.
Macht mal wieder überhaupt keinen Sinn. Is aber so.
Sollte man länger als diese 15 Tage mit seinem eigenen Fahrzeug im Land bleiben, muss erneut gezahlt werden. Und zwar in der Zollbehörde in Korogh, der Hauptstadt des GBAO.
Dort spielte sich vor einigen Tagen, bei dem Versuch der Verlängerung allerdings das Gleiche ab, wie bei der Desinfektion während der Einreise.
Gibt’s nicht! Brauchen wir nicht!
Auch die Franzosen, unsere Wegbegleiter seit dem Wakhan, bekamen das zu hören.
Und auch hier, standen wir jetzt dumm da und sollten für die, 7 zusammen, überschritten Tage 900$ Strafe zahlen.
Denn pro nicht verlängerten Tag, zeigte uns der Grenzbeamte auf einem Täfelchen, kostet es 70$.
7 x 70 macht keine 900? Wissen wir! Aber sagt das mal dem Rechengenie an der Grenze.
Da wir selbst bei dem richtigen Betrag, uns mehr als nur geweigert hätten zu bezahlen, ging das diskutieren dann doch los…
Den Verlauf der Diskussion, die sich über eine gute Stunde, in einem viel zu stark beheizten Büro, in welchem die Beamten gerade Mittagessen kochten zog, hier genauer zu beschreiben würde wohl zu lange dauern, daher beschränke ich mich nun nur auf den Ausgang:

Wir behaupteten steif und fest wir hätten kein Bargeld mehr, zahlten daher nichts, mussten aber ein handschriftliches Entschuldigungsschreiben an den Chef der Zollbehörde verfassen, in dem wir niederschrieben wie Leid uns dies täte und machten dem englisch sprechenden Kollegen noch bewusst, dass so absolut kein Tourist Bock hätte jemals wieder zu kommen.

Big Problem Nr. 2 SOLVED!!!

Und nun kam der Part, auf welchen wir eigentlich keinen Bock hatten.
Der Matschige!
Denn ja die Grenze ist matschig. Und zwar fast knietief.
Doch anders als befürchtet, kommen wir mit gaaaanz viel Anlauf ohne Steckenbleiben durch.
Und 1,5 km weiter sind wir oben.
Am Kyzyl Art Pass.
Fast schon ein Kinderspiel.
Wir machen ein paar Fotos und nehmen dann die 18,5 verbliebenen No-Man’s-Land-Kilometer in Angriff.
Aber jetzt geht es nur noch bergab.
Schnee, Matsch und kleine Bachläufe ‚verzieren‘ den Weg, doch selbst wenn wir aus Kirgistan gekommen wären, hätten wir es heute wohl geschafft.
Allzu viele Tage, geschweige denn Wochen vorher, wäre es allerdings, sowohl in die eine als auch in die andere Richtung, für uns nicht möglich gewesen.
Perfektes Timing sag ich da mal! 🙂

Unsere letzte Hürde für heute kommt daher schneller als gedacht: Die kirgisische Grenze.
Doch hier läuft alles wie geschmiert!
20 Min später: durch!
Und wir sind wieder zurück!
Zurück in Krigistan.
Irgendwie ein gutes Gefühl!
Die Ausblicke sind fantastisch.
Und so bleiben wir, nicht all zu weit von der Grenze entfernt, stehen und genießen für den restlichen Tag.

Tag 10: 201km

Auch wenn gestern Abend schon das Gefühl von ‚Wir haben es geschafft.‘ aufkam.
Dem ist nicht so.
Noch nicht ganz jedenfalls.
Denn 201 km liegen noch vor uns.
Es geht über Sary Tash nach Osh.
Allerdings wieder auf ‚normalen‘ Straßen und ‚normaler‘ Höhe.
Und so ist unser letzter Tag auf dem Pamir Highway zwar schön, aber im Verhältnis dann doch eher unspektakulär. 😀

In Osh angekommen verbringen wir 2 Wochen in der Stadt und an einem naheliegenden See.
Es wird gearbeitet und relaxed.
Wir plantschen etwas herum und gehen wandern.
Und all das mal wieder, weil wir warten müssen.
Warten auf das nächste Visum.
Diesmal das Turkmenische.
Eigentlich wollten wir uns darum schon in Duschanbe kümmern.
Da es seit ein paar Jahren, aber keinen Expressservice mehr im Land gibt und wir irgendwie das Gefühl hatten, nicht all zu viel Vertrauen in die tadschikische Post legen zu können, ging des erst hier in Kirgistan.
Also dann… Fingers Crossed!!!

1442 KM auf dem Pamir Highway: Das Fazit oder was wir noch loswerden müssen

So viel hatten wir zuvor gehört, so viel gelesen.
Das Highlight der Reise wurde er von Overlandern genannt.
Abenteuerliche Geschichten wurden uns erzählt….
Für uns allerdings wurden die Erwartungen, auch wenn es hart klingt, nicht erfüllt.
Aber lasst uns erklären warum:
Dank den Berichten und Erzählungen vorab, hatten wir das größte Abenteuer und die unglaublichste Landschaft unserer Reise erwartet. Allerdings haben wir die M41, eher als nicht ganz einfache, etwas nervenaufreibende Straße, denn ja sie ist bis auf wenige Kilometer auf den Pässen durchgehend asphaltiert, empfunden.
Auch landschaftlich waren für uns, Länder wie die Mongolei oder Gebiete wie das Altai in Russland wesentlich spektakulärer und reizvoller.
Es ist aber sicherlich gut möglich, dass wir den Pamir als außergewöhnlicher oder abenteuerlicher empfunden hätten, wenn wir ihn zu Beginn der Reise gefahren wären. Mit Dingen wie der Gobidurchquerung und Sibieren im Winter vorab, empfanden wir es eher als ’schönen Ausflug‘ und nicht als ‚Abenteuer unseres Lebens‘.

Wer noch Fragen zu unseren Pamir Erfahrungen hat, kann sich gerne bei uns melden! Ansonsten raten wir wie immer: Selber machen und nicht zu viel (bis gar nichts) auf die Meinungen anderer geben 😉

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