Pamir – Das Dach der Welt I

– Sabi`s View –

An der Grenze hatten wir mal wieder kein Problem.
Wir zahlten die 45€ ‚Roadtax’, so wie es sein sollte, und waren durch.
Auch der Weg in die Hauptstadt Tadschikistans war eine, der angenehmeren Erfahrungen dieser Reise, denn die Straße war durchgehend perfekter asphaltiert.
( dieses ‚perfekt‘ wird hier nicht mehr an deutschen Verhältnissen gemessen 😉 )

In Duschanbe angekommen, mussten wir so einiges an Visa Angelegenheiten für die künftige Reise klären, und verbrachten daher 3 Nächte in einen Hostel nahe der von uns ‚benötigten‘ Botschaften.
Dort hatten wir das Vergnügen eine nette ältere Belgierin kennenlernen zu dürfen, welche uns mit kleinen Horrorgeschichten ihrer, erst einige Tage in der Vergangenheit liegenden, Pamir Highway ‚Exkursion‘ beglückte.
Von unpassierbaren Straßen und kniehohen Schnee und Matsch, im Grenzgebiet war die Rede.
Von Wölfen, welche Radfahrer und Kinder verschleppten und von Touristen, welche von herabfallenden Felsen zerquetschen wurden…

Auf beide Letztere gaben wir nicht viel, denn diese wurden ihr selbst nur von einheimischen Damen erzählt und klangen für uns eher nach Schauermärchen um Touristen zu verschrecken.
Gegen Schnee und Matsch beschlossen wir uns allerdings zu wappnen!
Schneeketten mussten her!
Diese fanden wir dann auch auf dem Autobazar der Stadt!

Danach waren wir soweit!
Oh, wie lange hatten wir es hin und her geschoben, die Reise umgeplant…
2 Monate Sibirien, 1 Monat in Almaty, über 1 weiteren in Bishkek und anschließend der vorgezogene Weg über Usbekistan…
All das, mehr oder weniger, um Zeit zu schinden und den Pamir Highway fahren zu können.
Ob es funktioniert hat und den ‚Aufwand‘ wert war?!

Tag 1: 300km

Es ist 11.30 Uhr.
Etwas später als geplant, aber was soll’s!
Die M41 führt uns raus aus der Stadt.
Kurz nach Duschanbe teilt sie sich.
Wir nehmen für den ersten Teil der Strecke bis Kalai Chumb, die Südroute über Kulob.
Die ist um 72 km länger als die im Norden, dafür erwartet uns aber eine gute Straße und der frühere Blick auf Afghanistan und den Grenzfluss Pandsch.

Alles läuft, bzw. fährt wie geschmiert.
Wir kommen super voran, passieren die ersten 2 Checkpoints des Pamirs, an welchen wir Reisepässe inkl. Visa und GBAO Permit* herzeigen müssen und genießen unseren ersten fantastischen Ausblick auf die afghanische Seite.

*die Genehmigung in und durch die Autonome Provinz Berg-Badachschan fahren zu können. Kann mit dem Evisa beantragen werden (20$ extra).

Tag 2: 120km

Ungefähr 20km nach Start hört sie auf…
Diese perfekte Straße, welche wir den ersten Tag hatten.
Sie wird richtig, richtig beschissen.
Daher kommen wir heut auch nicht besonders weit.
Der Weg führt uns durch die Stadt Kalai Chumb, immer weiter am Pandsch entlang.
Die Ausblicke die sich uns bieten sind beeindruckend.
Nur mit möglichen Stellplätzen für die Nacht sieht es mager aus.
Es ist Abends bis wir schließlich einen Spot finden.
Fix und fertig fallen wir ins Bett.

Tag 3: 158km

Bis in die Hauptstadt des Pamir Gebiets, Korogh, soll es heute gehen.
Die Straße dorthin bleibt weiterhin, naja… nervenaufreibend.
Wir passieren wieder 2 Checkpoints und nehmen nach gut 30km Fahrt einen Anhalter, einen Pamiri mit, welchen wir auf Grund von, nennen wir es einmal, ‚unangebrachtes Verhalten‘ mir gegenüber, 50km später wieder hochkant rausschmeißen.*
Als wir endlich in Korogh ankommen ist es bereits dunkel.
Bei unserem Platz für die Nacht sind wir heute nicht wählerisch.
Der erste Parkplatz, welchen wir nach dem Tanken passieren, muss heute reichen.

*zu diesem Vorfall, und zu weiteren Erfahrungen der Art, werde ich noch einmal einen extra Beitrag schreiben.

Tag 4: 146km

Wir beschließen einen Stop in der Touristen Info von Korogh einzulegen, um uns über die Straßenbedingungen des Ak-Baital-Passes und des No-Mans-Land’s zwischen Tadschikistan und Kirgistan zu informieren.
Um sicher zu gehen, dass wir mit den aktuellsten Informationen versorgt werden, ruft der sehr hilfsbereite Mitarbeiter Bekannte aus den, auf dem Weg liegenden Dörfern an.
‚No Problem without 4wd.‘ meint er.
Es hätte seit Ewigkeiten nicht geschneit und die Straßen wären trocken.
Gute Neuigkeiten!
Vor allem nach den netten Hostelgeschichten von vor ein paar Tagen!
Ob wir das Wakhan Valley auch fahren, will er wissen, denn auch das wäre mit unserem Auto derzeit absolut kein Problem!
Eigentlich nicht! antworten wir, bedanken uns und machen uns wieder auf den Weg zu Baku und Geronimo.

Hm…
Ja, eigentlich wollten wir das Wakhan auslassen.
Keine ‚Umwege‘ fahren!
Obwohl…
Es soll ja wirklich schön sein…
Und was sind schon gute 100 km mehr auf einer Reise, welche uns bereits knapp 40.000 km weit durch Europa und Asien gebracht hat!?
Nach ewigen Hin und Her, lassen wir eine Münze entscheiden.
Und geben nach 4x ‚ja’ für des Wakhan Valley auf!
Es soll wohl so sein! 😀

Bis wir wirklich starten ist es Mittag.
Der ‚Wakhan Valley Turnoff‘ liegt nur ein paar 100m hinter der Touri Info, direkt in Korogh.
Die 146 km die wir heute noch kommen sind wesentlich besser als erwartet.
Ja, sogar asphaltiert.
Nach Ischkoschim, der ersten ‚Stadt‘ an welcher wir vorbeikommen, wird das Tal weitläufiger und die Menschen noch ‚winkfreudiger‘ als die Tage zuvor.

Diesmal verbringen wir unseren Abend und die Nacht wieder direkt am Grenzfluss und haben einen Wahnsinnsblick auf den Hindukusch.
Dahinter, keine 20 km Luftlinie entfernt, liegt Pakistan.

Tag 5: 109km

Der Asphalt wird weniger, und findet sich dann nur noch in einigen Dörfer.
Wir fahren wieder auf den von uns so geliebten Wellblechpisten.
Mongolei lässt grüßen!
Mittags brauchen wir eine lange Pause.
Nicht nur wegen den Straßen, auch weil uns langsam der Arm abfällt, denn wirklich jeder hier freut sich so unglaublich uns zu sehen, und winkt wie verrückt.
Da muss man natürlich wie verrückt zurück winken! 😀

In der zweiten Hälfte des Tages geht es endlich so richtig bergauf.
Immerhin tuckern wir seit Tagen auf um die 2000 Höhenmetern rum.
Von Dach der Welt also noch lang keine Rede.
Aber jetzt auf einmal geht es fix.
Ehe wir uns versehen befinden wir uns auf 3467m.
Da ist dann auch Schluss für heute.
Zum Akklimatisieren sozusagen.
Denn ab 3000 soll man langsam machen.
Nicht mehr als 300-500m höher als die Nacht zuvor schlafen.
Daran halten wir uns natürlich, denn Höhenkrank werden muss nicht sein!

Tag 6: 93km

Es war kalt.
Sehr kalt.
Aber die erste Nacht auf über 3000m haben wir gut überstanden.
In der Früh öffnen wir die Schiebetür.
Wieder schauen wir auf den Pandsch.
Er ist nicht mehr so breit wie die vergangenen Tage.
Ja, mittlerweile könnte sogar ich, einen Stein auf die andere Seite schmeißen! 😀
Drüben in Afghanistan, wandert eine Karawane entlang.
Zig Kamele, schwer beladen, geführt von Männern mit Turbanen schreiten an uns vorbei.
Zwischen drin, vereinzelt Pferde und Esel auf denen Frauen und Kinder sitzen.
Noch nie hatte ich so sehr das Gefühl auf der Seidenstraße zu reisen wie an diesem Morgen.

Aber genug geträumt!
Heute wird es ernst!
Denn wir werden heute zum ersten Mal die 4000m überschreiten.
Naja, eher ‚überfahren‘.
Der Khargush-Pass liegt vor uns.
Dieser trennt die originale M41 und das Wakhan Valley im Osten.
Kurz bevor wir ihn erreichen treffen wir ein französisches Overlanderpärchen.
Oder besser gesagt wir werden von Ihnen überholt. 😀
Auch sie haben einen Hund dabei.
Aiko.
Baku und Aiko verstehen sich auf Anhieb.
Aber nicht nur die Hunde!
Deshalb wird erstmal eine 2-stündige Spiel- und Quatsch-Pause eingelegt. 🙂

Dann aber wirklich!
Khargush wir kommen!
Wir verlassen nach 6 Tagen die Grenzregion und den Fluss.
Es geht weiter hinauf.
Langsam merken wir einen leichten Druck auf der Lunge, oder im Magen, da sind wir uns nicht ganz sicher!
Auf jeden Fall macht sich die Höhe irgendwie bemerkbar!
4.344 m.
Den höchsten Punkt des Passes bekommen wir nur mit, weil wir auf unser Navi schauen.
Kein Schild, kein Monument.
Gar nichts.
‚Nur’ eine Schotterpiste die irgendwo durch die Berge führt.
Trotzdem beeindruckend!

21 km weiter erreichen wir den wieder den ‚richtigen’ Pamir Highway.
Und der Asphalt beginnt.
Andi drückt aufs Gas. (Also für unsere Verhältnisse 😀 )
Ein paar Meter weiter hebt es uns aus den Sitzen.
Die Straße besteht aus riesigen Bodenwellen.
Mit schneller fahren ist hier also auch nichts.
Egal!
Haben es ja nicht eilig!
Wir fahren bis kurz nach Alichur.
Dort treffen wir auch die Franzosen wieder.
Schluss für heute!

TO BE CONTINUED…

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