Das Ende der Straße

– Sabi`s View –

Nach dem wir Pamukkale und die Touristen Massen hinter uns gelassen hatten machten wir uns auf den Weg Richtung Südküste der Türkei.
Aber natürlich nicht an einem Stück.
Immerhin waren es mal wieder 200 km.
Da muss schon mindestens eine Nacht drin sein. 🙂

Diese verbrachten wir irgendwo im Hinterland.
Mal wieder an einem See.
Und dem krassen Gegenteil gegenüber dem Ort die Nacht zuvor.

Es war keine Seele da.
Naja…
Keine Menschenseele.
Mückentechnisch schaute das Ganze schon etwas anders aus.

Man, sooo viele Mücken hatten wir auf unseren ganzen Reise noch nicht erlebt.
Da wir aber gut ausgerüstet sind, mit zwei der wohl besten Investitionen für unsere Reise,
einem Brettschneider Moskitonetz für 40€ und einer elektronischen Fliegenklatsche von einem Straßenhändler in Griechenland für 3,50 €, war auch diese Herausforderung kein Problem für uns. 😀

Für die nächtlichen Umstände nur leicht zerstochen, ging es am nächsten Tag weiter Richtung Kelebekler Vadisi.
Oder auch Butterfly Valley.
Einem Tal in der Nähe der Stadt Fethiye an der Küste.

Butterfly Valley.
Wenn etwas schon so heißt…
Ja, es ist wunderschön.

Das Kelebekler Vadisi, das von bis zu 350 Meter hohen Felsen umgeben ist, hat seinen Namen von den mehr als 80 Schmetterlingsarten, die diesen natürlichen Zufluchtsort als ihre Heimat nutzen.

Die Geschichte besagt, dass die Bewohner Faralyas (des Dorfes oberhalb) das Tal 1981 an die Anatolische Gesellschaft für Tourismusentwicklung verkauften – sie planten, es zu einem Touristenjuwel zu machen.
Doch drei Jahre später wurde das Tal von der türkische Regierung zum Schutzgebiet erklärt, um die Schmetterlinge und ihren natürlichen Lebensraum zu erhalten.
Heute sind nur Zelte erlaubt, da der Fokus auf der Natur und deren Schutz und Wachstum liegt.
Ein wirklich schönes Fleckchen Erde!

Noch dazu ist der Strand wirklich abgelegen und das Tal nur mit dem Boot erreichbar.

Nur mit dem Boot!?
Pah!

Wir wusste vorab, dass es eben doch möglich war anders ins Tal zu gelangen.
Und zwar vom Dorf oberhalb.
Von dort gibt es einen kleinen Weg der die 350 Meter hohen Felswände hinunterführt.

Und auch wenn uns der Besitzer der Montenegro Motels* davor warnte, wir wollten es wagen.
Immerhin kommen wir ja aus Bayern und sind, dank unserer Eltern, mehr oder weniger in den Bergen aufgewachsen.
Was soll da also schon in die Quere kommen…
Dachten wir…

*Das Montenegro Motel war während unserer 3 Nächte im Butterfly Valley so nett und hat uns auf dessen Parkplatz nächtigen lassen, ja selbst den Pool, die Duschen und ganztägig Tee und Kaffee wurde uns angeboten. Alles kostenfrei! Ach ja die Türkei… 🙂

Da es am 2. Tage regnete, machten wir uns erst am 3., voll guter Hoffnung das Wetter würde halten, auf den Weg.
Und es hielt.
Allerdings kamen wir nicht allzu weit.

Nach circa einer halben Stunde mussten wir kehrt machen.
Ein steiler Abstieg, der nur mit Hilfe eines befestigten Seiles zu bewältigen war stellte uns, wegen Baku, vor ein unüberwindbares Hindernis.
Auch wenn er gut und gerne klettert. Der ca. 15 Meter tiefe, senkrechte Abhang auf der linken Seite des Steiges, war uns und Baku nicht ganz geheuer.
Einmal ausgerutscht und das Unglück wäre passiert….

So beschloßen wir, vernünftig wie wir nunmal sind, das prachtvolle Bergtal nur von oben zu betrachten und unsere Wanderrunde oberhalb fortzusetzen.

Am nächsten Tag machten wir uns mit Geronimo wieder auf den Weg.
Wir folgten der Straße weiter der Küste entlang.
Weit kamen wir aber auch hier nicht.
Um genau zu sein, nur 10 km.
Dann endete diese.

Am Ende der Straße fanden wir uns in Kabak wieder.
Einem Dörfchen, voller Freigeister, alternativer Seelen, wahrer Hippies und all denen die es gerne wären.
Auch hier führte nur der Weg zu Fuß hinab ins Dorf und an den Strand.
Diesmal allerdings war der „Abstieg“ kein Problem und nach einem 20 minütigen Fußmarsch in brütender Hitze hüpften wir alle drei ins wohlverdiente Nass.

Wie bis jetzt überall in der Türkei, dauerte es auch hier nicht lange bis wir mit irgendjemanden ins quatschen kamen und bis wir uns versahen saßen wir abends mit dem kompletten Dorf an einer Tafel und feierten Ramazan.
Das all abendliche Essens-Fest während des Ramadans, des Fastenmonats der Muslime.

Voll von (nur positiven!) kulturellen Eindrücken, neuen Bekanntschaften und dem hervorragenden türkischen Essen fielen wir nachts fix und fertig ins Bett.

Apropos neue Bekanntschaften…
Ein paar Tage später, an unserem nächsten Stop, den Dünen von Patara etwa 60 km weiter, lief uns Furkan über den Weg.
Ein junger Türke der gut nach Kabak gepasst hätte.

Ein Psychologiestudent, der ursprünglich aus Istanbul kommt und die Nase voll von der türkischen Politik, dem vorherrschenden Glauben hier und der allgemeinen Rücksichtslosigkeit der Menschen hat.
Furkan schien jemand zu sein, der sich gegen das System und den ihm vorgelebte Alltag lehnt.
Er wirkte wie ein Rebell, ein Ausreißer von zu Hause.

Furkan ist alleine unterwegs.
Ohne Auto. Ohne Zelt. Ohne Geld.
Nur mit einem kleinen Rucksack und Schlafsack.
Er trampt.
Schläft unter den Sternen.
Arbeitet mal hier und mal dort für Unterkunft und Verpflegung.

Ein paar Tage zuvor, erzählte er, hatte er für 4 Tage überhaupt kein Essen, aber das wäre ‚No Problem‘ sagte er grinsend, immerhin wäre er „free“.

Und obwohl er ohne jegliches Hab und Gut unterwegs ist wollte er uns beiden, nach einem kurzen Gespräch, seine letzten bzw. einzigen beiden Bier anbieten.
Die hatte er, inkl. einer kleinen Mahlzeit von seiner letzten Mitfahrgelegenheit geschenkt bekommen.
Ohne dass wir die Chance hatten zu verneinen lief er die Dünen hinunter und holte seinen Rucksack.
Das war immerhin ein Weg von einer halben Stunde (hin und zurück).

Kurze Zeit später saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer und philosophierten in einem bunten Mischmasch aus Englisch und Zeichensprache in die Nacht hinein.

Am nächsten Morgen luden wir ihn zu einem reichhaltigen Frühstück ein und quatschten noch ein paar Stunden, bevor er sich wieder auf den Weg ins Ungewisse machte.
Als er sich verabschiedete reichte er uns noch das letzte an Nahrung was er in seinem Rucksack fand, eine Packung Kürbiskerne, als Dankeschön für unsere Begegnung und das Frühstück.

Und schon war er wieder verschwunden.
Genauso schnell wie er aufgetaucht war.

Die Dünen von Patara, die übrigens unglaublich schön sind, werden uns (nicht zuletzt weil wir einen fantastischen Menschen kennengelernt haben) sicherlich einige Zeit in Erinnerung bleiben.

Trotz alle dem machten auch wir uns nach ein paar Tagen wieder auf.
Auf unseren Weg ins Ungewisse…

4 Kommentare
  1. Laura says:

    Ohhh ihr schnuckis, wenn ich das so lese wird mein Herz ganz schwer vor Fernweh! Wie gerne würde ich jetzt mit euch in den Dünen von Patara sitzen 🙂 die türkei,ach ja… nur gute Erinnerungen! Ich reise mit euch in Gedanken und bin schon sehr gespannt was ihr in Capadokien erleben werdet 😀 bussibussi L mit Crew

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    • Sabi says:

      mit euch zusammen wäre es bestimmt noch ein bisschen schöner gewesen 🙂 wir sind auch gespannt und freuen uns sehr drauf!!! denken sehr oft an euch, schwelgen in Erinnerungen und planen was so kommen mag 😉 xx S mit Crew 😀

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  2. Roland says:

    Servus Sabi,
    ich liebe deinen Schreibstil, sooo amüsant sooo erfrischend wie du die Buchstaben aneinander reihst, ist es das Highlight meines Tages wenn sie endlich ankommt –
    „Sabi’s View“
    Ganz liebe Grüße,
    da Roland

    Antworten

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