Scharyn Canyon & Co.

– Andi`s View –

…endlich angekommen in Almaty!

Mit 1,8 Mio. Einwohnern ist Almaty die größte Metropole Kasachstans, zugleich Kultur- und Handelszentrum und galt bis 1997 sogar als kasachische Hauptstadt, bevor sie dann von Astana abgelöst wurde.

An sich hatten wir die lange Fahrt nach Almaty gut überstanden. Dennoch waren wir geschafft von den Anstrengungen der letzten Tage. Das viele Fahren, die Kälte und die teils schlechten Straßenbedingungen hinterließen ihre Spuren.

Ein, zwei Tage einfach mal nichts tun.

Das war unser Plan.

Wir suchten uns also einen geeigneten Stellplatz in der Nähe des Roshcha Bauma Parks, ein Wald inmitten der Stadt, und erholten uns 2 komplette Tage von den Strapazen.

Bettlägerigkeit würde man bei uns sagen 😀

Wir waren so fertig, dass wir Geronimo nur zum Gassi gehen und bei Notdurft verließen. Selbst Baku schlief die meiste Zeit des Tages und drängte schon nach ein paar hunderten Metern, wieder umdrehen zu dürfen, zurück auf seine Decke.

Erst jetzt merkten wir tatsächlich, wie sehr uns die Fahrt in den Südosten Kasachstan angestrengt hatte.

Nach 2 Tagen hatten wir uns wieder regeneriert und wir waren bereit, wieder am Leben teilzunehmen. Das bedeutete, zunächst eine geeignete Werkstatt zu finden, denn auch Geronimo hatte etwas unter den 3564 Kilometern gelitten. Die eine Halterung des hinteren Stoßdämpfers, welche wir provisorisch in Irkutsk machen hatten lassen, war erneut abgerissen. Dieses Mal wollte wir es dann doch richtig machen und suchten eine große LKW-Werkstatt auf.

Das alte Gewinde entfernen, einen neuen Bolzen anbringen und schon war das Problem mit dem Stoßdämpfer erledigt.

Wenn man dann schon mal dort ist, kann man die Schweißnaht am Auspuff nochmal überarbeiten lassen, welche man uns doch in der Mongolei verpasst hatte.

Apropos: „Wenn man dann schon mal da ist…“

Die Versorgung mit originalen Mercedes-Ersatzteilen ist in dieser Region noch deutlich besser als anderswo auf unserer kommenden Route und unsere Stoßdämpfer mussten ja schon einiges mitmachen.

Wie ich eben so bin, sorge ich gerne vor und mit dem Wissen, dass wir bald den Pamir-Highway befahren werden, sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen.

Warum also nicht?! 😉

Zu Sabi`s absoluten Begeisterung kamen also neben den Kosten für die Reparaturen auch noch neue Stoßdämpfer mit auf die Rechnung, denn wer weiß was uns auf dem Pamir-Highway erwartet.

So ein Tag in der Werkstatt vergeht wie im Flug (zumindest in meinen Augen) und als wir dann am darauffolgenden Vormittag noch unsere Wasserreserven und Lebensmittelvorräte aufgestockt hatten, war alles Nötige erledigt.

Wir hatten also Zeit Almaty und die umliegende Gegend zu erkunden. Außerdem wollten wir unseren 30 Tage-Aufenthalt hier in Kasachstan vollständig nutzen. Auf den Frühling, auf etwas wärmere Temperaturen warten. Das war der Plan…

Was kann man hier also machen?

Almaty an sich ist aus unserer Sicht relativ unspektakulär.

Viele schachbrettartig-angelegte Straßen, unzählige Geschäfte, viele Menschen, viel Verkehr und vor allem ganz viel Smog. Auch hier, ähnlich wie schon in Astana, ist eine klare westliche Lebensweise bzw. Konsumweise, zu spüren.

Die Stadt rückte daher recht schnell in den Hintergrund bzw. rückte das, was sich tatsächlich im Hintergrund befindet, recht schnell in den Vordergrund. Die umliegenden Berge…

Wir Münchner denken ja, wir haben die Berge vor der Haustüre. Naja, dann haben die Kasachen in Almaty die Berge unter der Fußmatte liegen würde ich vermuten 😀

Atemberaubend, unnahbar, irgendwie unwirklich erstreckt sich das Tian-Shan-Gebirge südlich der Stadt.

Ein Eldorado für Naturfans und begeisterte Bergsportfans.

Wir verließen also vorerst die Stadt, um etwas Natur in der 15km entfernten Gebirgskette zu erkunden.

Etwa 1 Stunde Fahrzeit, auf rund 2.510 m befindet sich der Big Almaty Lake. Umrundet von 3 Viertausendern ist er für sein türkis blaues Gletscherwasser bekannt und ein „Must-See“ für jeden, der sich in der Gegend aufhält!

Eigentlich hatten wir vor, dort ein paar Tage zu verbringen. Ein Platz direkt am See, das stellten wir uns vor. Leider kam aber alles etwas anders als wir es uns erhofft hatten.

Es war uns gar nicht möglich mit Geronimo bis an den See vor zu fahren. Schon bei zirka 2.000 m war für uns Schluss. Die Straße war zu verschneit, wir waren zu schwer, um weiter bergauf zu kommen, und es wurde immer schmaler, so dass bei eventuellem Gegenverkehr das Chaos vorprogrammiert war.

Was nun?

Scheinbar waren wir nicht die Ersten auf diesem Weg, welche nicht mehr vorankamen. Am Straßenrand warteten nämlich schon ein paar Locals mit ihren Fahrzeugen und winkten uns eifrig herbei. Nach kurzen Verhandlungsgesprächen parkten wir Geronimo und wurden die restlichen Kilometer bis zum Almaty Lake, umgerechnet für ein paar Euros, mit einem der Autos hinaufgebracht.

Aus dem Ganzen wurde dann leider nur ein Tagesausflug denn auf Grund des Schnees bot sich uns einfach keine Möglichkeit einen geeigneten Nächtigungsplatz zu finden.

Die Nacht verbrachten wir also wieder inmitten der Stadt.

Um dieser dann doch wieder schnellstmöglich zu entfliehen, nahmen wir uns vor, den Scharyn-Nationalpark, rund 200 Kilometer östlich von Almaty anzusteuern. Der Grand-Canyon Kasachstans wird er scherzhaft genannt.

Als wir dann angekommen waren und dieses atemberaubende Naturschauspiel vor uns sahen, war uns eigentlich so gar nicht zu Lachen zumute. Wir waren schlichtweg sprachlos. Definitiv das Schönste, was wir an Canyons bislang auf unserer Reise gesehen hatten.

Bislang…

Und so verbrachten wir unseren 30-tägigen Aufenthalt damit, die umliegende Region um Almaty zu erkunden, immer wieder mal ein paar Erledigungen in der Stadt zu machen und etwas zu arbeiten, um unsere Reisekasse aufzufrischen.

Je mehr Tage verstrichen, desto wärmer wurde es.

Der Regen kam und langsam aber sicher wurde der Schnee immer weniger. Übrigens das erste Mal seit 6 Monaten, dass es tatsächlich regnete. Wer hätte gedacht, dass man sich über Regen und Schneematsch so freuen kann 😀

Mittlerweile erreichte das Thermometer tagsüber bis zu 12 Grad. Und die Tage wurden spürbar etwas länger.

Positive Stimmung machte sich unter uns breit.

Es war Zeit Almaty zu verlassen und sich auf den Weg Richtung Westen, weiter Richtung Kirgistan zu machen.

Endlich! Die Reise kann weiter gehen…

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