Das Ding mit dem Dachträger

– Andi`s View –

…ja in der Tat, wir hatten in Bishkek einiges vor.

Könnt ihr euch noch an Paul erinnern?

Paul von „Passport Diary“?

Diesen lieben Kerl hatten wir doch zu Beginn unserer Reise in Athen getroffen.

Das ist der Typ, dessen Blog ich oftmals während unserer Reisevorbereitungen durchstöbert hatte.

Seither sind wir in Kontakt geblieben.

Als er erfahren hatte, dass wir auf dem Weg nach Bishkek sind, fing er an von Hannes, seiner Frau Theres und seinem kleinen Sohn Mattis zu sprechen.

„Ich geb euch mal den Kontakt. Die Reisen schon seit einigen Jahren mit Ihrem Truck umher und haben für ein paar Monate in Bishkek überwintert. Hannes ist ein ganz ein Lieber…den musst du kennenlernen.“

Er hatte uns also die Nummer von Hannes & Family gegeben und so machten wir ein Treffen aus.

Und jetzt ratet mal wo man einen Truck-Fahrer trifft?

Genau…

In einer Werkstatt…

„Wir haben die ganze Bordelektronik zu überholen, da wir in der Nähe des Issy Kul während einer Flussdurchfahrt stecken geblieben sind. Die Kabine ist bei der ganzen Aktion mit Wasser vollgelaufen. 1.500$ wollten die hier von der Werkstatt haben, damit sie uns mit ihrem Bergungsfahrzeug rausholen. Ich sag`s dir…das zahlt man nach 3 Tagen im Flussbett gerne, um aus solch einer Scheiße rauszukommen.“

So oder so ähnlich waren Hannes seine ersten Worte, als wir uns das erste Mal begegneten.

In der Werks-Kantine, der „Stolovaya“, vertieften wir unsere Gespräche, lernten uns besser kennen und ich würde sagen, wir verstanden uns alle auf Anhieb.

Hannes und Theres hatten in Bishkek über die Wintermonate ein kleines Häuschen mit Garten angemietet.

Ganz nach dem Motto: „Mi casa es su casa“ hatten die beiden uns in ihren Alltag mit aufgenommen.

Ich mag es mit Reisenden zu leben…das ist so unkompliziert…

Die Zeit in Bishkek war einfach super!

Wir kochten zusammen, veranstalteten Grill-Feste, erkundeten gemeinsam die Stadt, schraubten an unseren Fahrzeugen und warteten alle zusammen auf Paul…

…ja richtig, Paul sollte auch kommen. Ihr wisst schon…der Passport Diary Paul…

Er hatte nämlich ein neues Projekt.

Kaufe in Kirgistan eine Buchanka (Ihr könnt euch bestimmt noch an das Foto mit Baku und dem Bus auf dem Baikal See (Die Insel Olkhon) erinnern…das ist eine Buchanka), baue diese zum Camper aus und starte damit in Richtung Mongolei.

Hier in Bishkek war dafür seine erste Anlaufstelle und Hannes unterstützte ihn bei seinem Vorhaben indem er Dinge wie den Kauf der Buchanka in die Wege leitete und im Vorfeld auskundschaftetet, wo er was besorgen kann.

Als Paul dann endlich ankam, waren im Nu zwei weitere Wochen vorbei. Zwei Wochen voller Männer-Träume 😉

Wir machten auf dem Kudaybergen (ein Basar für Autozubehör) Besorgungen jeglicher Art, ließen die Buchanka lackieren, machten den Baumarkt unsicher und begannen mit dem Innenausbau.

(Wen es interessiert, wie das Ganze aussieht und was wir während diesem Projekt so erlebt haben, der schaut am besten auf Paul´s Youtube-Channel vorbei…)

Ehrlich, das war eine super Zeit und hat sehr viel Spaß gemacht!

Danke an euch Hannes und Paul, danke an die Mädels Theres und Sabi, dass ihr das mitgemacht habt und danke an Mattis…du wirst hoffentlich mal wie dein Papa.

Die Zeit verging wie im Flug…

Ach ja…da war ja noch das Ding mit dem Dachträger…

Während der vier Wochen hatten wir uns, über Kontakte von Hannes, einen Dachträger anfertigen lassen.

Für was wir den brauchen, fragt ihr euch?

Kümmert euch um euren eigenen Mist 😀

Nach fast 4 Wochen dann war der Tag der Abreise gekommen.

Ehrlich gesagt viel es mir schwer mich von den Anderen zu trennen, waren sie mir doch sehr ans Herz gewachsen. Aber man sieht sich immer zweimal im Leben und mit dieser Einstellung ging der Abschied dann schon irgendwie in Ordnung.

Von Bishkek machten wir uns auf den Weg nach Osh, welches etwa 700 km südlich der kirgisischen Hauptstadt liegt. Dort hatten wir vor die Grenze nach Uszbekistan zu passieren.

Von Hannes wussten wir, dass die Straßenverhältnisse der M41 von Bishkek Richtung Süden relativ gut seien. Ausgenommen die Straße über den Alabel Pass, welcher mit 3.184 m der wohl bislang höchste Punkt unserer Reise war.

Und er hatte Recht.

Die Straßen waren größtenteils in gutem Zustand.

Dennoch war die Fahrt nach Osh irgendwie ein echtes Highlight. Nicht nur, dass die Landschaft absolut atemberaubend war, auch die uns begleitenden Regenfälle machten das Ganze irgendwie spannend.

Abgefahrenen Reifen sind auf solchen Strecken unter derartigen Bedingungen nicht die beste Idee, wie sich zeigen sollte.

So kam es, dass hinter einer Kurve, kurz vor einer Brücke ein PKW, mit dem Heck voraus, den Abhang hinunterzufallen drohte.

Auf der Motorhaube saßen drei Männer, um das Abstürzen zu verhindern während zwei weitere versuchten passierende Autos und LKWs zum Helfen zu bewegen.

Zirka 3 Meter in die Tiefe. Das ist vielleicht jetzt nicht die Dramatik, welche man aus Filmen kennt, für mich persönlich wäre es jedoch nichts Geronimo dann aus einer solchen Lage bergen lassen zu müssen. Vielleicht mag das auch der Grund sein, warum keiner angehalten hatte, um zu helfen. Denn es passierten reichlich Fahrzeug die „Unfallstelle, angehalten hatte bislang jedoch keiner.

Sabi und ich entschlossen uns die Straße zu sperren, das Abschleppseil (danke Dad!) auszupacken und die Jungs aus dieser Lage zu befreien.

Geronimo hatte zu kämpfen die etwa 1,5t wieder auf die Straße zu bringen. Doch nach ein paar Versuchen schafften wir es und die Männer waren sichtlich erleichtert und bedankten sich. Auch die mittlerweile eingetroffene Polizei bedankte sich bei uns und wir zogen weiter…

(Leider haben wir von dieser ganzen Aktion kein Bildmaterial denn die Situation erforderte schnell zu reagieren. Da blieb keine Zeit die Kamera auszupacken und irgendwie wäre es auch nicht angebracht gewesen.)

Während unserer 3-tägigen Fahrt nach Osh passierte dann noch Folgendes:

Mitten in der Nacht wurde ich von einem komischen Geräusch aufgeweckt.

Ein sehr lautes Schleifgeräusch…

Ich blickte im Halbschlaf aus dem Fenster und stammelte zu Sabi, dass da Menschen mit Taschenlampen seien und ein LKW sich seinen Weg bahnt.

„Schwertransport“, bekam ich gerade noch so raus und schlief vermutlich wieder ein.

Dass das keinen Sinn machte, da wir auf einem Picknick-Platz direkt am Fluss standen und nur ein kleiner schmaler Feldweg hierherführte, daran dachte ich nicht.

Ich schätze eine Stunde später hörte ich erneut Geräusche.

Dieses Mal waren es stimmen und ein Mann durfte sich von einer Frau ordentlich Anschiss abholen…so schien es zumindest.

Ich blickte erneut aus dem Fenster und tatsächlich stand keine 10 Meter von uns entfernt ein Auto, welches scheinbar über den Abhang gerutscht sein musste.

Ein lautes Schleifgeräusch, Taschenlampen und eine schimpfende Frau…jetzt ergab das alles auch einen Sinn!

Ich beobachte das Ganze etwas und es schien, dass man schon dabei war sich wieder auf den Weg zu machen.

Und keine 2 Minuten später war es wieder dunkel, es fing erneut an zu regnen und ich konnte die Augen wieder zu ma…

Wie ich schon sagte…der Weg nach Osh war sehr unterhaltsam 😉

Für uns persönlich verlief alles nach Plan und wir kamen am 3. Tag nachmittags wohlbehalten in Osh an und wollten die Grenze nach Usbekistan noch am selben Tag passieren…

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